Mittwoch, 18. Juni 2008

Uni cum laude

Unter der Überschrift Uni cum laude berichtet die Wiwo in Ausgabe 23 2008 über die deutsche Hochschlulandschaft auf ihrem Weg zu Praxisorientierung und Exzellenz. In diesem Zusammenhang ist es erstaunlich, was einem widerfährt, wenn man an deutschen Hochschulen - speziell in Informatikfakultäten - versucht, als Unternehmen Praktikumsplätze oder studentische Hilftskraftstellen anzubieten.

Eigentlich sollte man ja davon ausgehen, dass Unis und noch vielmehr FHs ein großes Eigeninteresse daran haben sollten, ihre Studis schon studienbegleitend an spätere Arbeitsgeber oder Investoren heranzuführen. Deshalb wundert es nicht, dass viele Einrichtungen mittlerweile ihre schwarzen Bretter ins Internet verlagert haben und dort auf Praktikums- oder Stellenbörsen Unternehmen die Möglichkeit bieten, Offerten einzustellen.

Ich habs gestern abend probiert. Auf der Suche nach Entwicklern, die in Projekten oder bezahlten Praktika mitarbeiten können. Also: Google anschmeißen und Hochschulen suchen. Das klappt prima. Dann bei einer der größten Einrichtungen des Landes die Jobbörse angewählt. Tatsächlich, man kann sich online als Unternehmen registrieren und Angebote einstellen.

Das Anmeldeformular ausgefüllt und den "Abschicken"-Knopf gesucht. Gibt's nicht. Dafür drei Radiobuttons "Testen", "Speichern", "Löschen" und einen Schalter "Bestätigen". Daneben ein Text, was zu tun ist. Ok, ich soll "speichern" und dann "bestätigen" und soll dann eine Email erhalten, in der ein Bestätigungslink enthalten ist, den ich dann anwähle.

Gemacht, getan, nur kommt keine Email. Ich schicke mir von einem Googleaccount schnell selbst eine - kann ja sein, dass mein Mailserver ein Problem hat. Hat er aber nicht. Eine Stunde später - Italien führt mittlerweile 1:0 gegen Frankreich - ist die Mail mit Link da. Ich klicke drauf und komme auf eine Webseite, auf der mein Angebot steht. Prima, ist ja jetzt alles erledigt. Oh nein, da steht ganz klein: "Achtung, diese Seite ist noch nicht online, sie müssen erst noch freigeben". Nochmal?

Unten wieder drei Radiobuttons, diesmal "testen" (warum?), "freigeben" und "löschen" und der "Bestätigungs-Knopf". Ich wähle "freigeben" und bestätige brav - und komme auf eine Seite mit einer Debugmeldung des Servers. Das war's.

Ok, vielleicht ist eine große Uni einfach noch zu sehr damit beschäftigt, andere Prozesse zu exzellenzieren. Also klicke ich eine regionale FH mit knapp 4.000 Studis an. Auch hier eine Jobbörse. Anmeldeprozess einigermaßen standardisiert - dann aber die Meldung, dass mein Angebot erst noch geprüft werden muss und ich die Bestätigungsemail erst in 48 Stunden erhalte. Ist ja auch besser so, könnte ja sein, dass ich die Jobbörse nutze, um Schmähschriften über die Exzelleninitiativen zu veröffentlichen.

Eine dritte Uni - die Jobbörse ist Teil eines kommerziellen Angebots eines privatwirtschaftlichen Unternehmens. Häh? Wenn ich eine Anzeige schalten will, geh ich zu Monster, Jobpilot oder sonstwo, aber ich will doch einer Uni die Möglichkeit geben, Ihren Studis Praxisjobs zu vermitteln...

Eine vierte Adresse: Hier gibt's gar keine Praktikumsbörse - nur viel Interessantes zur Geschichte und zum Nachtleben einer FH im sächsischen Flachland .

Nummer 5: Hier kann man nur Anzeigen als PDF oder WORD hochladen und nicht einfach eine Nachricht absetzen - also schnell meinen Text in Word kopiert und mit einem Logo versehen und hochgeladen - und dann die Meldung, die Veröffentlichung wird geprüft - das könne eine Woche dauern.

Nummer 6: Hier klappt's endlich mal so, wie man denkt, dass das im Internet läuft: Angebot online eingestellt, direkt veröffentlicht, mit Angaben zur Laufzeit des Angebots. Dafür aber als Teil eines Hochschulverbundes mit 10.000 Studenten, von denen nur 300 Informatiker sind. Eine Rubrizierung, die ermöglicht, dass ich die anderen 9.700 Studis nicht langweile, fehlt.

Mein Fazit: Auf dem Weg zum professionellen Partner der Wirtschaft - Modell USA - sind unsere deutschen Hochschulen noch so weit weg, wie die Telekom auf ihrem Weg, ein gutes Image zu haben.

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