Montag, 27. Oktober 2014

5 Regeln für einen erfolgreichen Blog

Wir entwickeln derzeit ein journalistisches Produkt, das sich an junge Erwachsene wendet. Ziel ist es, Nachrichten und Hintergründe so aufzubereiten, dass sie gelesen und diskutiert werden. Oder mit anderen Worten: Unsere Geschichten sollen relevant sein und sich dazu eignen, eine eigene Leserschaft aufzubauen. 

Am Ende der Konzeptionsphase hatten wir das Glück, dass uns ein erfolgreicher Verleger modernen Zuschnitts besuchte: Matze Hielscher, einer der beiden Väter von mitvernuegen.com, einem sehr erfolgreichen Stadtmagazin aus Berlin (und mittlerweile auch in Hamburg vertreten). Mitvernuegen.com erreicht rund 400.000 Menschen monatlich in und um Berlin herum, hat also eine Reichweite, die Berlins größter Tageszeitung – der B.Z. – entspricht. 

Matze war also da, und die Gründungsredaktion unseres neuen Projekts konnte sich aus erster Hand informieren, wie man im Internet ein digitales Magazin so aufbaut, dass es auch wirtschaftlich erfolgreich ist. Das interessante Gespräch kann man in fünf Grundregeln zusammenfassen: 

1. Dranbleiben
Das Erste und Wichtigste zugleich: Wenn man einen Blog (oder ein anderes digitales Medium) einrichtet, muss man auch etwas zu sagen haben. „Als wir mitvernuegen.com gestartet haben, haben Pierre und ich beide unser Geld woanders verdient. Der Blog war ein Unternehmensblog, um unser Eventgeschäft zu unterstützen.“ Dass mitvernuegen.com erfolgreich wurde, habe viel damit zu tun, dass die beiden Gründer im ersten Jahr schlicht täglich – also auch an Heiligabend, Silvester und an verregneten Wochenenden – einen Tipp veröffentlicht haben. „Viele Projekte starten mit Euphorie, man haut zehn, zwanzig Beiträge raus, und dann kommt das Wochenende oder Urlaub und die Sache kommt ins Stottern“. Nichts ist so wichtig, als dranzubleiben und für seine Leser verlässlich zu sein.

2. Analysieren 
Anders als bei Zeitungen, Radio und TV ist Journalismus im Internet kein Blindflug. Man kriegt genau mit, wie die Seite und wie einzelne Texte funktionieren. Wenn man diese Analyse-Power nutzt, entwickelt man schnell Know-how, welche Themen funktionieren, wie man diese anpacken muss und wie Texte geschrieben sein müssen, damit sie geteilt werden. „Wenn du siehst, dass eine Überschrift funktioniert, aber keine Shares kommen, dann war der Text schlecht. Dann kannst du daran arbeiten und den Text verbessern oder noch einmal neu posten“ – dann aber mit einem anderen, erfolgsversprechenden Spin. 

3. Sich treu bleiben 
Wenn man Reichweite aufbaut, stellt sich irgendwann natürlich die Frage, ob man mit seinem Blog Geld verdienen kann. „Wir haben uns bewusst gegen Banner und solche Dinge entschieden, weil wir es unerträglich finden, wenn wir einen coolen Partytipp geben und der eingerahmt ist von völlig dämlichen Werbeanzeigen. Klar verzichten wir so auf Einnahmen, aber dafür bleibt die Seite für die Leser interessant und wichtig und das ist letzten Endes entscheidend.“ Mitvernuegen.com hat sich dagegen für ein Geschäftsmodell entschieden, dass man grob als Sponsoring bezeichnen kann. Der Vorteil: die redaktionelle Hoheit über die Inhalte liegt komplett bei mitvergnuegen.com. 

4. Im Team schreiben 
Klare Ansage von Matze: „Wenn du was schreibst, glaubst du, es ist gut. Wenn dann aber andere drüber schauen, fallen ihnen noch viele Sachen auf, die man besser machen kann. Wir schreiben bei mitvernuegen.com im Team und kommen so zu besseren Texten“. Das steht im Widerspruch zur klassischen Autorenhoheit: der Autor ist ein Genie, der Leser darf folgen. Bei mitvergnuegen.com wird nicht der einzelne Autor auf ein Podest gestellt, sondern die Leser. Der bestmögliche Text geht online, und nicht die salbungsvollen Zeilen eines verkannten Literaten, der nur aus Verlegenheit als Journalist arbeitet. 

5. Nicht zu viel veröffentlichen 
Ebenfalls interessant ist die fünfte Regel: „Veröffentlicht nicht zu viel. Die Leser müssen mitkommen. Wir bringen höchsten vier neue Texte pro Tag.“ Man hat oft den Eindruck, dass im Internet, wo es keine Mengenbegrenzung gibt, die Devise gilt: the more, the merrier. Je mehr Texte, desto mehr Google-Ergebnisse. Je mehr Texte, desto höher die Chancen, zufällig was Interessantes zu bringen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Aufgabe des Journalisten ist, seinen Leser Zeit zu sparen und das schafft er am besten, wenn er wenig, dafür aber relevante Beiträge bringt. 

Einen sechsten Tipp gab uns Matze Hielscher noch beim Tschüss-Sagen: „Geht online, sobald ihr was habt und wartet nicht, bis alles perfekt ist“. Man lernt das Laufen beim Gehen und nicht am grünen Tisch.

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