Montag, 23. Juni 2008

Nur noch zwei Gewalten

Es ist EM, Deutschland spielt gut, das Wetter liegt bei stabilen 30 Grad, es sind noch keine Ferien, deutsches bier ist Weltklasse. Was um alles in der Welt bewegt die Menschen, trotzdem technische Gadgets wie den Popcornhour Netzwerkplayer zu bestellen?

Ich rufe Rudi an und erfahre: Das Ding war in der c't. Soviel zur Maxht der Presse - und es wurde noch nicht mal die Webseite von Rudi - sein HTPC-Shop - genannt. Aber auch ohne diese Veröffentlichung rennt das Ding gut und wurde vorher im Wesentlichen von einer Community gehypt. Man merkt: Trends entstehen im Internet, ohne Zutun von Marketingabteilungen und Werbeprofis.

Auch Negatives- wie die Beschwerden über eine Aktualitäts-Garantie, die man immerhin formal bestellen muss mit Angabe aller seiner persönlichen Daten und Bankverbindung - hypen sich im Internet doppelt leicht - ganz ohne Zutun der Presse. Aber trotz negativer Kritik: Für regelmäßig genutzte Software wie die WISO Anwendungen ist das ein faires Modell - solange die Softwarequalität, die Aktualität und die Ergonomie stimmen, wie dies beim WISO Sparbuch eigentlich der Fall sein sollten.

Na aber es wird ja langsam ruhiger und das neue Sparbuch wird hoffentlich wieder die Pace im Steuersoftwaremarkt vorgeben.

Wie dem auch sei: Die Vierte Gewalt verliert trotz oben genannter Teilerfolge an Bedeutung, die 3,5. Gewalt - die PR- und Marketingabteilungen der Firmen verlieren jedenfalls im kommunikativen Umfeld an Bedeutung. Die erste Gewalt stellt sich durch Inkompetenz und Bürgerferne ins Abseits. Wir leben heute also in einer Zeit der Exekutive - der Operations - und der versachlichten Entscheidung, ob etwas den Regeln entspricht. Controlling, Revision oder Judikative kann man das nennen.

Mittwoch, 18. Juni 2008

Uni cum laude

Unter der Überschrift Uni cum laude berichtet die Wiwo in Ausgabe 23 2008 über die deutsche Hochschlulandschaft auf ihrem Weg zu Praxisorientierung und Exzellenz. In diesem Zusammenhang ist es erstaunlich, was einem widerfährt, wenn man an deutschen Hochschulen - speziell in Informatikfakultäten - versucht, als Unternehmen Praktikumsplätze oder studentische Hilftskraftstellen anzubieten.

Eigentlich sollte man ja davon ausgehen, dass Unis und noch vielmehr FHs ein großes Eigeninteresse daran haben sollten, ihre Studis schon studienbegleitend an spätere Arbeitsgeber oder Investoren heranzuführen. Deshalb wundert es nicht, dass viele Einrichtungen mittlerweile ihre schwarzen Bretter ins Internet verlagert haben und dort auf Praktikums- oder Stellenbörsen Unternehmen die Möglichkeit bieten, Offerten einzustellen.

Ich habs gestern abend probiert. Auf der Suche nach Entwicklern, die in Projekten oder bezahlten Praktika mitarbeiten können. Also: Google anschmeißen und Hochschulen suchen. Das klappt prima. Dann bei einer der größten Einrichtungen des Landes die Jobbörse angewählt. Tatsächlich, man kann sich online als Unternehmen registrieren und Angebote einstellen.

Das Anmeldeformular ausgefüllt und den "Abschicken"-Knopf gesucht. Gibt's nicht. Dafür drei Radiobuttons "Testen", "Speichern", "Löschen" und einen Schalter "Bestätigen". Daneben ein Text, was zu tun ist. Ok, ich soll "speichern" und dann "bestätigen" und soll dann eine Email erhalten, in der ein Bestätigungslink enthalten ist, den ich dann anwähle.

Gemacht, getan, nur kommt keine Email. Ich schicke mir von einem Googleaccount schnell selbst eine - kann ja sein, dass mein Mailserver ein Problem hat. Hat er aber nicht. Eine Stunde später - Italien führt mittlerweile 1:0 gegen Frankreich - ist die Mail mit Link da. Ich klicke drauf und komme auf eine Webseite, auf der mein Angebot steht. Prima, ist ja jetzt alles erledigt. Oh nein, da steht ganz klein: "Achtung, diese Seite ist noch nicht online, sie müssen erst noch freigeben". Nochmal?

Unten wieder drei Radiobuttons, diesmal "testen" (warum?), "freigeben" und "löschen" und der "Bestätigungs-Knopf". Ich wähle "freigeben" und bestätige brav - und komme auf eine Seite mit einer Debugmeldung des Servers. Das war's.

Ok, vielleicht ist eine große Uni einfach noch zu sehr damit beschäftigt, andere Prozesse zu exzellenzieren. Also klicke ich eine regionale FH mit knapp 4.000 Studis an. Auch hier eine Jobbörse. Anmeldeprozess einigermaßen standardisiert - dann aber die Meldung, dass mein Angebot erst noch geprüft werden muss und ich die Bestätigungsemail erst in 48 Stunden erhalte. Ist ja auch besser so, könnte ja sein, dass ich die Jobbörse nutze, um Schmähschriften über die Exzelleninitiativen zu veröffentlichen.

Eine dritte Uni - die Jobbörse ist Teil eines kommerziellen Angebots eines privatwirtschaftlichen Unternehmens. Häh? Wenn ich eine Anzeige schalten will, geh ich zu Monster, Jobpilot oder sonstwo, aber ich will doch einer Uni die Möglichkeit geben, Ihren Studis Praxisjobs zu vermitteln...

Eine vierte Adresse: Hier gibt's gar keine Praktikumsbörse - nur viel Interessantes zur Geschichte und zum Nachtleben einer FH im sächsischen Flachland .

Nummer 5: Hier kann man nur Anzeigen als PDF oder WORD hochladen und nicht einfach eine Nachricht absetzen - also schnell meinen Text in Word kopiert und mit einem Logo versehen und hochgeladen - und dann die Meldung, die Veröffentlichung wird geprüft - das könne eine Woche dauern.

Nummer 6: Hier klappt's endlich mal so, wie man denkt, dass das im Internet läuft: Angebot online eingestellt, direkt veröffentlicht, mit Angaben zur Laufzeit des Angebots. Dafür aber als Teil eines Hochschulverbundes mit 10.000 Studenten, von denen nur 300 Informatiker sind. Eine Rubrizierung, die ermöglicht, dass ich die anderen 9.700 Studis nicht langweile, fehlt.

Mein Fazit: Auf dem Weg zum professionellen Partner der Wirtschaft - Modell USA - sind unsere deutschen Hochschulen noch so weit weg, wie die Telekom auf ihrem Weg, ein gutes Image zu haben.

Montag, 16. Juni 2008

There's no such thing as a bargain

Es ist wirklich interessant - selbst eine einfache Sache wie die Eröffnung eines Girokontos ist mittlerweile zu einer höchstkomplexen Aufgabe geworden. Galt es früher, einfach bei der nächstgelegenen Bankfiliale vorbeizuschauen und eine Unterschrift zu leisten, leidet man heute unter dem ständigen Druck, evtl. eine falsche Entscheidung zu treffen.

Es könnte ja sein, dass man ein zu teures Konto eröffnet - Gebührenfalle.
Oder man kommt nicht ausreichend an Bargeld - Automatenfalle.
Oder die Kreditkarte kostet zusätzlich - Premiumfalle.
Oder wir täglich verrechnet und mit horrenden Gebühren belastet - Kleingedrucktesfalle.

Früher wars einfach und teuer. Heute ist billig und kompliziert. Habt ihr schon mal versucht, die Recherchezeit für DAS Schnäppchen in Geld umzurechnen? Ich habe mich mit der Girokontothematik gut und gerne 4 Stunden beschäftigt. Bei einem kalkulatorischen Lohn von 200 Euro pro Stunde sind das 800 Euro. Dafür könnte ich gut und gern drei Jahre bei einer Bank sein, die Apothekenpreise hat. Wenn ich genauso lange für eine Tintenpatrone recherchieren würde, könnte ich mir glatt 10 neue Drucker kaufen.

There's no such thing as a free lunch.

Na was soll's. Jetzt bin ich Comdirect-Kunde und bekomme jeden Monat 1 Euro. Dafür dauern Überweisungen zwischen 2 und 3 Tagen. Und die Kreditkarte - die ich für alle Reisekosten, Tanken,Hotel, Flieger - einsetze, wird taggenau valutiert. Das heißt manchmal geht das Konto aufgrund dieser Verschiebung für 1, 2, 3 Tage ins Minus. Bin mal gespannt, wann ich die erste Soll-Zinsabrechnung bekomme und wie hoch die wird.

Habe sogar noch ein zweites Girokonto eröffnet - Citibank. Super-Geschichte, nur klappt's dann nicht mehr mit meiner Homebanking-Software.

Na, was soll's. Wir greifen das Thema jetzt redaktionell auf, um wenigstens ein bißchen über die Fallstricke und Details zu informieren. Denn kostenfrei ist nicht immer frei von Kosten.