Montag, 15. Dezember 2014

10 Jahre Social Media: Meilensteine und Fakten 2014

Die Londoner Marketing-Agentur Media Vision hat in einer Infografik die wichtigsten Meilensteine der bisherigen Geschichte von Social Media übersichtlich zusammengefasst.

Beeindruckend sind die für 2014 ermittelten Zahlen. Mittlerweile gibt knapp 210 Millionen Tumblr-Blogs. Auf Twitter werden jeden Tag 500 Millionen Kurznachrichten veröffentlicht. Instagram vermeldet täglich 60 Millionen neue Fotos und über 1 Milliarde Menschen nutzen regelmäßig YouTube.

Die Meilensteine der Entwicklung bei Social Media und zentrale
Nutzungsdaten für 2014 (Quelle: Mediavision).

Sonntag, 14. Dezember 2014

Im BILD-Labor: Hier entstehen die neuen Journalismus-Produkte

Die BiTS zu Gast in der Innovationszentrale
des Axel-Springer-Verlags.
Im 5. Semester beginnt an der BiTS das Vertiefungsstudium. Eine mögliche Vertiefungsrichtung ist der Bereich Online. Hier bietet die BiTS das Fach Medieninnovationsmanagement an.

Bei Medieninnovationsmanagement hilft nicht graue Theorie, sondern nur Praxis. Deshalb nahm Dozent Torsten Petersen letzte Woche seinen Kurs mit zu Axel Springer. Und zwar nicht in das mondäne Gebäude des Axel-Springer-Hauses, sondern ein paar hundert Meter weiter in einem schmucklosen Bürogebäude.

Hier residiert das innovative Hirn des Springer-Konzerns, u.a. in Form des Startup Accelators Plug and Play und des Innovations-Labors, wo neue journalistische Konzepte wie Football Collective, Epos oder Celepedia entwickelt und im Markt ausgetestet werden. Daniel Durst vom Axel Springer Verlag stand den BiTS-Studis eine Stunde lange Rede und Antwort und zeigte, dass Axel Springer versucht, trotz Konzernstruktur die notwendige Geschwindigkeit und Flexibilität im Innovationsmanagement zu haben.

Zuvor gab’s für die BiTS-Studierenden einen Abstecher zum AS Plug and Play Accelerator. Hier empfing Daniel Dierkes die Studis. Im Springer-eigenen Accelator-Programm werden Startups für drei Monate aufgenommen, um danach für eine Anschlussfinanzierung zu pitchen. Es gab spannende Details aus der Praxis und viele Tipps für alle die, die selbst damit liebäugeln, sich selbstständig zu machen.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Nachrichten für die Generation Y: Terminal Y

Nachrichten für die Generation Y:
Das neue Magazin Terminal Y.
Frischer Journalismus für frische Perspektiven
Heute startet das Berliner Nachrichtenmagazin Terminal Y. Zielsetzung von Terminal Y ist es, neue Perspektive zu vermitteln. Refresh your perspective ist der Claim, der die Ausrichtung von Terminal Y gut auf den Punkt bringt. Es geht um Nachrichten und Geschichten, die den Lesern helfen sollen, sich ein Bild von der Welt zu machen, unabhängig von den Interessen der eingefahrenen Wege der Nachrichteninstitutionen.

Die Namensgebung Terminal Y leitet sich einfach ab. Ein Terminal ist der Ort, wo Menschen ankommen und sich auch wieder auf die Reise begeben. Genau das beschreibt die Zielgruppe, die Terminal Y anspricht: junge Menschen, die sich auf die Reise begeben haben, um ihren Platz im Leben zu finden. Etwas prosaischer ausgedrückt: Die Leser von Terminal Y sind junge Menschen zwischen Abitur und dem festen Einstieg ins Berufsleben.

Den Buchstaben Y verdankt das Nachrichten-Terminal der Zuordnung der Zielgruppe zur sogenannten Generation Y, also der Gruppe der zwischen 1980 und 2000 geborenen Menschen. 

Der Buchstabe Y wird im Englischen wie das Wort „why“ (= warum) ausgesprochen und deutet damit auf ein wichtiges Kriterium hin, das man dieser Zielgruppe zuordnet: das starke Hinterfragen gängiger Muster, sei es traditioneller Karrierepfade oder Rollenbilder.

Terminal Y wird von rund 15 jungen Journalisten aus Berlin betrieben, die sich selbst organisieren und das Magazin ohne finanzielle Interessen bereitstellen. Es geht darum, herauszufinden, ob eine neue Art Journalismus in der Lage ist, mittelfristig eine eigene Stammleserschaft aufzubauen. Ich selbst bin mit dabei als „technical supervisor“ (ich möchte mich aufgrund mangelnder Expertise nicht Administrator nennen :-)

Zielsetzung von Terminal Y ist es, durch Interaktion mit den Nutzern und eine starke Social Media Präsenz einen eigenen journalistischen Kriterienkatalog zu entwickeln, der die traditionellen und nicht mehr zeitgemäßen Produktionsroutinen der etablierten Nachrichtenmedien erneuern kann. Ob dies gelingt – vor allem auf Basis eines Non-Profit-Ansatzes – ist eine spannende Fragestellung, die ich akademisch begleite und nach allen Kräften unterstütze.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

BiTS-Journalisten: Videodreh am Alex

Ein Team der Terminal Y Redaktion dreht auf dem
Weihnachtsmarkt am Berliner Alexanderplatz
In frostiger Kälte war heute die Lehrredaktion der BiTS Berlin unterwegs. Für das neu entwickelte Magazin Terminal Y, wollten die Studierenden Stimmen einfangen, die die Weihnachtswünsche der Generation Y beschreiben. 

Drehort: Der Weihnachtsmarkt am Berliner Alxeanderplatz. Außentemperatur: minus 1 Grad. Aufnahmeleiter Carsten Meyer und Kameramann Arno Döring in ihrem Element - das Team glücklicherweise mit genügend Energie spendenden Keksen ausgestattet.

Nachdem einige Schnittbilder gedreht wurden, ging's in die Interviews. Zu späterer Stunde folgte dann bei den durch Glühwein aufgewärmten Weihnachtsmarktbesuchern noch eine zweite Fragerunde: Wahrheit oder Pflicht. Wie weit würden Weihnachtsmarktbesucher gehen, wenn Ihnen hübsche Damen einen Gratis-Glühwein anbieten?

Die Ergebnisse des Videodrehs am Alex gibt's bald auf Terminal Y zu sehen, dem Magazin, das frische Perspektiven ins Nachrichtengeschäft bringt.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Thadeusz und die Beobachter der BiTS

Studierende der BiTS Berlin bei den Vorbereitungen zur
Aufzeichnung der journalistischen Talkrund Thadeusz und
die Beobachter im rbb Berlin.
Nachdem rbb-Moderator Jörg Thadeusz bereits am Berliner Campus der BiTS für eine Videoproduktion der Studierenden des 3. Semesters im Studiengang Communication and Media Management Rede und Antwort stand, besuchte das Seminar gestern abend die Aufzeichnung der Sendung "Thadeusz und die Beobachter".

Mit vier Kolleginnen und Kollegen aus dem journalistischen Fach, den sogenannten Beobachtern, diskutiert rbb-Moderator Jörg Thadeusz jeweils eine Stunde lang aktuelle politische Themen aus möglichst vielen Blickwinkeln. Das journalistische Quintett will Meinungen hören und gegeneinander spiegeln, Einschätzungen hinterfragen und Prognosen wagen.

Die BiTS-Studierenden und die Seminarleiterin Silke Ewald waren bei den Vorbereitungen der Sendung, der Aufzeichnung und dem anschließenden Get Together aktiv beteiligt und sammelten wertvolle Erfahrungen im Bereich TV-Produktion.

Die BiTS ist eine staatlich anerkannte private Hochschule, die zu Laureate International Universities gehört. Laureate International Universities ist mit 900.000 Studierenden in dreißig Ländern die größte Hochschule der Welt. In Berlin bietet die BiTS u.a. Bachelor-Studiengänge in den Fächern Medienmanagement und Journalismus an. In drei Jahre studiert man mit hohem Praxisbezug sowohl am Berliner Campus als auch im Ausland und bereitet sich so professionell auf den Einstieg in eine Karriere in den Medien vor.

Montag, 1. Dezember 2014

Allwetterwandern: Die besten Winter-Wanderwege in NRW

Die schönsten Winterwanderwege in
Nordrhein-Westfalen tragen jetzt das
Prädikat Winterwanderbar des GPS
Wanderatlas Deutschland.
Auch der GPS Wanderatlas Deutschland versperrt sich nicht dem inflationären Gebrauch digitaler Adventskalender. Daher veröffentlicht der GPS Wanderatlas vom 1. Dezember bis zum Heiligabend jeden Tag einen Wandertipp, der unter der Überschrift Winterwandern in Nordrhein-Westfalen steht.

Winterwandern ist nicht gleich Schneewandern. Winterwandern ist vielmehr Allwetterwandern. Winterwanderwege sind Wandertouren, die auch bei frostigen Temperaturen und selbst bei Regen Spaß machen. Und gesund ist Wandern im Winter allemal, denn gerade im Winter brauchen wir Licht und Bewegung, um fit zu bleiben.

Die ersten 24 vom GPS Wanderatlas ausgewählten Winterwanderwege konzentrieren sich auf Nordrhein-Westfalen. Ob Sauerland oder Eifel, Siebengebirge oder Münsterland, Bergisches Land oder Niederrhein, Teutoburger Wald oder Ruhrgebiet: Die Auswahl an guten Wanderwegen für die Schlechtwettersaison fiel in diesen attraktiven Tourismusregionen alles andere als leicht. 
Verteilt im ganzen Land: Das sind die 24 besten Winterwanderwege in Nordrhein-Westfalen.
Nach einigen Diskussionen ist jetzt aber die Entscheidung gefallen. Die 24 schönsten Winterwanderwege in Nordrhein-Westfalen stellt der GPS Wanderatlas nun Tag für Tag bis Weihnachten vor. Auch die Landestourismusorganisation (NRW Tourismus) greift dieses Thema auf und weist auf sieben dieser Winterwanderwege gezielt hin. 
Das Prädikat Winterwanderbar
des GPS Wanderatlas Deutschland

Die ausgewählten Wanderwege in NRW sind vom GPS Wanderatlas mit dem Prädikat Winterwanderbar ausgezeichnet worden, aber natürlich ebenso im Frühling, Sommer und Herbst zu wandern. Das Prädikat Winterwanderbar beschreibt die Eigenschaft eines Weges, auch bei schlechtem Wetter eine sehr gute Wahl für einen Wanderausflug zu sein – z.B. wegen Sehenswürdigkeiten am Wegesrand, beeindruckenden Fernsichten und guten Gastronomieangeboten für die Stärkung unterwegs.

Wer die Adventszeit nicht vor dem Heizkörper verbringen, sondern seine Lungen mit frischer Luft durchpusten will, ist eingeladen, sich Tag für Tag auf der Portalseite zu „Winterwandern in Nordrhein-Westfalen“ neue Tipps für Wandertouren zu holen, die bei jedem Wetter funktionieren.

Wie immer im GPS Wanderatlas stehen alle Wandertouren mit aktuellen GPS-Daten (Tracks in Form einer GPX-Datei) und einer ausführlichen Tourenbeschreibung kostenfrei zur Verfügung. 

Der erste empfohlene Winterwanderweg in Nordrhein-Westfalen ist übrigens die Rundwanderung an der Grotenburg (386m), dem Berg, auf dem das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald steht. 

Dienstag, 25. November 2014

Selfie in 3D: Figuren aus dem 3D-Drucker

Figurenwerk stellt 3D-Figuren her. Einfach fotografieren lassen.
Wenig später hält man eine Statue der eigenen Person in Händen.
Selfie hat es nicht ganz zum Jugendwort des Jahres 2014 geschafft.Trotzdem liegt es voll im Trend, sich selbst als liebstes Motiv zu verewigen. Noch einen Draufsetzen kann man, wenn man den Selfie nicht nur als Foto macht, sondern sich selbst als dreidimensionale Figur produziert. Sich selbst als Statue - das ist großes Kino, und nebenbei auch ein geniales Geschenk für Freunde und Familie.

Wie man sich sein eigenes, gut 20cm großes Denkmal setzt, zeigt ein aktueller Bericht bei Spiegel-Online. Das Team war vor Ort in Berlin (Aufbauhaus, Planet Modulor am Moritzplatz in Kreuzberg). Gedreht wurde in den Räumlichkeiten von Figurenwerk, einem Spezialisten für die Herstellung von 3D-Figuren.

Aus Basis der Scan-Technologie von Botspot schießen 65 Kameras zeitgleich ein Foto und fangen Mensch oder Haustier von allen Perspektiven ein. Dann geht's los: Aus den Fotos wird ein großes dreidimensionales Objekt berechnet. 3D-Artists kümmern sich um den Feinschliff, so dass das Ergebnis wirklich gut aussieht.

Die fertige Objektdatei wird an einen 3D-Drucker geschickt, der dann Schicht für Schicht - man nennt das additive Fertigung - die Figur aufbaut.

Freitag, 21. November 2014

BiTS zu Gast bei Maybrit Illner

Wie wird eine politische Talkshow geplant?
Studierende der BiTS blickten bei Maybrit Illner (ZDF) hinter die Kulissen.
Im Fach TV-Produktionsmanagement besuchten gestern Abend acht Studierende der Business and Information Technology School (BiTS) die politische Talkshow Livesendung Maybrit Illner, die live im ZDF ausgestrahlt wird.

Die Exkursion unter fachlicher Leitung von Carsten Meyer ist zweiteilig angelehnt. Nach dem Besuch der Livesendung gestern, ist die Studierendengruppe heute zu Gast in der Redaktion und nimmt an der Nachbesprechung teil.

So lernen die Studierenden aus erster Hand, wie Profis eine TV-Sendung vorbereiten und vor allem, wie sie die Ergebnisse bewerten. Gestern Abend war bei Maybrit Illner „Putins Machthunger“ das Thema. An der Diskussion nahmen u.a. Polit-Urgestein Egon Bahr (Architekt der in den 1970er Jahren geschlossenen Ostverträge) und Kanzleramtsminister Peter Altmaier teil.

Maybrit Illner ist eine wöchentliche politsche Talkshow, die – zunächst unter dem Namen Berlin Mitte – seit 1999 ausgestrahlt wird. Maybrit Illner zählt damit zu den bekanntesten Moderatoren-Marken in der Senderfamilie des ZDF.  

Die Business Information and Technology School (BiTS) ist eine deutsche Tochter der Laureate International Universities. Unter deer Ehrenkanzlerschaft von Bill Clinton ist Laureate International Universities mit über 900.000 Studierenden in dreißig Ländern der größte Anbieter von Hochschulausbildungen weltweit.

Im Fachbereich Medien bietet die BiTS am Berliner Campus zwei Studiengänge an: Journalismus und Unternehmenskommunikation (B.A.) sowie Kommunikations- und Medienmanagement (B.Sc.). An der BiTS sind bundesweit an drei Standorten rund 1.300 Studierende eingeschrieben.

Donnerstag, 20. November 2014

BiTS meets Ketchum Pleon: Gelebter Praxistransfer

Journalistik-Studenten der BiTS (part of Laureate International)
informierten sich bei Ketchum über die Spielregeln bei
Agentur Pitches und den Umgang mit
komplexen Kundenaufträgen.
Im Fach Kommunikationsberatung und -Agenturen des Studiengangs Journalismus und Unternehmenskommunikation an der BiTS-Hochschule lernen Studierende, wie man ein Kommunikationskonzept für einen Kunden entwickelt.

Was das heißt, erleben BiTS-Studis derzeit live und in Farbe: Ein mittelständisches Unternehmen aus dem Bereich mobile payment und customer engagement möchte ein neues Marktsegment entwickeln und sucht dafür eine geeignete Markteintrittskampagne. 


Der Mittelständler kam zum Briefing an den Berliner Campus der BiTS Hochschule und präsentierte seine Überlegungen und die Eckdaten der Aufgabenstellung ausführlich. 

Die Rahmenbedingungen sind tatsächlich komplex (two sided market, Internationaler Wettbewerb, gut durch VC finanzierte nationale Wettbewerber, Technologieprodukt). Eine klare Strategie fehlt. Das Produkt steckt noch in der Entwicklung. Ein nennenswertes Kommunikationsbudget ist nicht vorhanden, weshalb auf Werbung verzichtet werden soll und alle Bemühungen in die vermeintlich „kostenlosen“ Instrumente PR und Dialogmarketing via social media fließen sollen.

Wie löst man eine solche vertrackte, in der Praxis aber durchaus nicht unübliche Situation auf? Um das zu klären, besuchten die Studierenden der BiTS Berlin das Hauptstadtbüro von Ketchum Pleon. Ketchum Pleon (KP) entstand 2010 durch den Zusammenschluss von Ketchum und Pleon und ist heute mit 490 Mio. USD Umsatz weltweit die fünftgrößte PR-Agentur. In Deutschland rangiert KP mit Honorarumsätzen von rund 50 Mio. EUR auf Platz 2.

Arne Wiechmann (Office Head) und Yasmine Cordes (Business Development) empfingen die BiTS-Studierenden und fungierten 90 Minuten lang als Coach und Consultant in Personalunion. Zahlreiche gute Tipps im Umgang mit der schwierigen Situation, aber auch praktische Hilfestellung wie den von KP genutzten Konzeptionierungsprozess RISC (für research, insights, strategy und creation) machten die Exkursion zu einem vollen Erfolg.

Freitag, 14. November 2014

rbb-Moderator Jörg Thadeusz am BiTS-Campus Berlin

Jörg Thadeusz verriet im BiTS-Interview am
Campus Berlin wertvolle Moderations-Tipps
Ein Mann im besten Alter, mit leichter Neigung zum Übergewicht. Ehemals Schlafwagenschaffner und Müllpresser, heute TV-Moderator u.a. beim rbb, Autor, ja, und vor allem Journalist. Jörg Thadeusz besuchte jetzt den Berliner Campus der privaten Hochschule BiTS in Berlin (zwischen Anhalter Bahnhof und Potsdamer Platz).


rbb-Moderator Jörg Thadeusz am Berliner Campus der BiTS
Der Vorort-Termin wurde von den BiTS-Dozenten Silke Ewald und Arno Döring genutzt, um die Drittsemester im Studiengang Communication & Media Management (CMM) im Fach „Content Production“ fit zu machen. Die Studierenden begleiteten Jörg Thadeusz mit Kamera und Mikro und luden zum Interview in der Cafeteria am Campus.


Anni Budich stellte Moderator Jörg Thadeusz gekonnt Fragen
Moderatorin Anni kitzelte einige interessante Geschichten aus dem Privatleben von Jörg Thadeusz heraus (die übrigens Anfang Dezember auch im Nachrichtenmagazin Terminal-Y veröffentlicht werden). Zwei Kameras, Licht und Ton sorgten für professionelle Produktionsbedingungen. Danach konnte die zweite Studierendengruppe Jörg Thadeusz zu einem Experten-Statement heranziehen. 


Am 2. Dezember werden Studierende der BiTS bei der Aufzeichnung der wöchentlichen Talkrunde „Thadeusz“ im rbb-Studio in der Masurenallee vor Ort sein und sich die Produktion einer TV-Sendung aus erster Reihe anschauen. Bis dahin sind die beiden am BiTS-Campus produzierten Stücke auch im Internet verfügbar. 

Der mobilen Kamera entging nichts:
Jörg Thadeusz an der BiTS Berlin
Die BiTS ist eine staatlich anerkannte private Hochschule, die zu Laureate International Universities gehört. Laureate International Universities ist mit 900.000 Studierenden in dreißig Ländern die größte Hochschule der Welt. In Berlin bietet die BiTS u.a. Bachelor-Studiengänge in den Fächern Medienmanagement (Communication & Media Management) und Journalismus (Journalism & Business Communication) an. In drei Jahre wird man mit hohem Praxisbezug und in kleinen Lern-Teams ausgebildet. Zur Ausbildung gehört auch ein Semester Auslandsstudium, z.B. in Partnerhochschulen in den USA, Australien, Süd-Afrika, Spanien und der Türkei.

Donnerstag, 13. November 2014

Die BiTS zu Gast bei Europas führender Content Marketing Agentur

Auswahl von Objekten von KircherBurkhardt
Studierende der BiTS Hochschule in Berlin besuchten heute
KircherBurkhardt, die führende Content Marketing Agentur Europas.
Die Gunst der Stunde: Der Wahlpflichtfach-Kurs Online (5. Semester) war heute zu Besuch bei C3, Europas größter Content Marketing Agentur. Und dass, wo es C3 noch nichtmals gibt. Derzeit fusionieren KircherBurkhardt, BurdaCreative und wunder media gerade zu C3. Mit einem Umsatz (2014) von 59 Mio. Euro und 400 Mitarbeitern wird C3 die bei weitem Abstand führende Agentur für die Produktion redaktioneller Inhalte.

Unter Leitung von Fachdozentin Silke Ewald besuchten die Studierenden des 5. Semesters der Studiengänge Communication & Media Management (CMM) und Journalism & Business Communication (JBC) der BiTS Hochschule die Zentrale von KircherBurkhardt direkt gegenüber des Berliner Doms.

Tom Levine begrüsste Studierende der BiTS
und Fachdozentin Silke Ewald bei KircherBurkhart
Gastgeber der BiTS war Tom Levine, seines Zeichens Chefredakteur bei KircherBurkhardt. Levine erklärte den BiTS-Studierenden praxisnah, warum heute Content Marketing, Native Advertising und Corporate Publishing klassische Werbung und schlichte Produkt-PR schlagen. Das Motto von KircherBurkhardt/C3 bringt es präzise auf den Punkt: "Content is the start of every meaningful conversation".

Während Werbung üblicherweise die Nutzungssituation des Zuschauers oder Lesers unterbricht, basiert Content Marketing auf der Idee, relevante Inhalte zu schaffen, die von den Zielgruppen aktiv gesucht und genutzt werden. Damit das gelingt, muss sich Content Marketing an journalistischer Profession orientieren. 

Eine sehr gelungene Auseinandersetzung über Content Marketing und Journalismus hat Tom Levine jüngst in seinem Blogbeitrag "Die fünf journalistischen Weisheiten des Content Marketing" veröffentlicht. Demnach sind es fünf journalistische Regeln, die für die Erstellung attraktiver Inhalte auch im Content Marketing zu berücksichtigen sind:

1. Interessiere Dein Publikum
2. Halte Distanz
3. Bleib glaubwürdig
4. Verpflichte Dich der Geschichte
5. Achte Deine Sprache

KircherBurkhardt wurde 1999 gegründet und war zunächst auf den Bereich Bereich Design fokussiert. Unter der Federführung von Lukas Kircher wurde so z.B. die Titel von Frankfurt Allgemeiner Sonntagszeitung (FAS), dem Berliner Tagesspiegel und der Welt am Sonntag aufgefrischt. 2002 erweiterte die Agentur ihr Portfolio und bietet seitdem auch redaktionelle Leistungen, die mittlerweile das Kerngeschäft ausmachen.

Im neu fusionierten Unternehmen C3 sind über hundert Journalisten tätig, die u.a. für Kunden wie die Deutsche Bahn, Bosch, die Bundeswehr, Volkswagen und die Sparkassen arbeiten. 

Montag, 27. Oktober 2014

5 Regeln für einen erfolgreichen Blog

Wir entwickeln derzeit ein journalistisches Produkt, das sich an junge Erwachsene wendet. Ziel ist es, Nachrichten und Hintergründe so aufzubereiten, dass sie gelesen und diskutiert werden. Oder mit anderen Worten: Unsere Geschichten sollen relevant sein und sich dazu eignen, eine eigene Leserschaft aufzubauen. 

Am Ende der Konzeptionsphase hatten wir das Glück, dass uns ein erfolgreicher Verleger modernen Zuschnitts besuchte: Matze Hielscher, einer der beiden Väter von mitvernuegen.com, einem sehr erfolgreichen Stadtmagazin aus Berlin (und mittlerweile auch in Hamburg vertreten). Mitvernuegen.com erreicht rund 400.000 Menschen monatlich in und um Berlin herum, hat also eine Reichweite, die Berlins größter Tageszeitung – der B.Z. – entspricht. 

Matze war also da, und die Gründungsredaktion unseres neuen Projekts konnte sich aus erster Hand informieren, wie man im Internet ein digitales Magazin so aufbaut, dass es auch wirtschaftlich erfolgreich ist. Das interessante Gespräch kann man in fünf Grundregeln zusammenfassen: 

1. Dranbleiben
Das Erste und Wichtigste zugleich: Wenn man einen Blog (oder ein anderes digitales Medium) einrichtet, muss man auch etwas zu sagen haben. „Als wir mitvernuegen.com gestartet haben, haben Pierre und ich beide unser Geld woanders verdient. Der Blog war ein Unternehmensblog, um unser Eventgeschäft zu unterstützen.“ Dass mitvernuegen.com erfolgreich wurde, habe viel damit zu tun, dass die beiden Gründer im ersten Jahr schlicht täglich – also auch an Heiligabend, Silvester und an verregneten Wochenenden – einen Tipp veröffentlicht haben. „Viele Projekte starten mit Euphorie, man haut zehn, zwanzig Beiträge raus, und dann kommt das Wochenende oder Urlaub und die Sache kommt ins Stottern“. Nichts ist so wichtig, als dranzubleiben und für seine Leser verlässlich zu sein.

2. Analysieren 
Anders als bei Zeitungen, Radio und TV ist Journalismus im Internet kein Blindflug. Man kriegt genau mit, wie die Seite und wie einzelne Texte funktionieren. Wenn man diese Analyse-Power nutzt, entwickelt man schnell Know-how, welche Themen funktionieren, wie man diese anpacken muss und wie Texte geschrieben sein müssen, damit sie geteilt werden. „Wenn du siehst, dass eine Überschrift funktioniert, aber keine Shares kommen, dann war der Text schlecht. Dann kannst du daran arbeiten und den Text verbessern oder noch einmal neu posten“ – dann aber mit einem anderen, erfolgsversprechenden Spin. 

3. Sich treu bleiben 
Wenn man Reichweite aufbaut, stellt sich irgendwann natürlich die Frage, ob man mit seinem Blog Geld verdienen kann. „Wir haben uns bewusst gegen Banner und solche Dinge entschieden, weil wir es unerträglich finden, wenn wir einen coolen Partytipp geben und der eingerahmt ist von völlig dämlichen Werbeanzeigen. Klar verzichten wir so auf Einnahmen, aber dafür bleibt die Seite für die Leser interessant und wichtig und das ist letzten Endes entscheidend.“ Mitvernuegen.com hat sich dagegen für ein Geschäftsmodell entschieden, dass man grob als Sponsoring bezeichnen kann. Der Vorteil: die redaktionelle Hoheit über die Inhalte liegt komplett bei mitvergnuegen.com. 

4. Im Team schreiben 
Klare Ansage von Matze: „Wenn du was schreibst, glaubst du, es ist gut. Wenn dann aber andere drüber schauen, fallen ihnen noch viele Sachen auf, die man besser machen kann. Wir schreiben bei mitvernuegen.com im Team und kommen so zu besseren Texten“. Das steht im Widerspruch zur klassischen Autorenhoheit: der Autor ist ein Genie, der Leser darf folgen. Bei mitvergnuegen.com wird nicht der einzelne Autor auf ein Podest gestellt, sondern die Leser. Der bestmögliche Text geht online, und nicht die salbungsvollen Zeilen eines verkannten Literaten, der nur aus Verlegenheit als Journalist arbeitet. 

5. Nicht zu viel veröffentlichen 
Ebenfalls interessant ist die fünfte Regel: „Veröffentlicht nicht zu viel. Die Leser müssen mitkommen. Wir bringen höchsten vier neue Texte pro Tag.“ Man hat oft den Eindruck, dass im Internet, wo es keine Mengenbegrenzung gibt, die Devise gilt: the more, the merrier. Je mehr Texte, desto mehr Google-Ergebnisse. Je mehr Texte, desto höher die Chancen, zufällig was Interessantes zu bringen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Aufgabe des Journalisten ist, seinen Leser Zeit zu sparen und das schafft er am besten, wenn er wenig, dafür aber relevante Beiträge bringt. 

Einen sechsten Tipp gab uns Matze Hielscher noch beim Tschüss-Sagen: „Geht online, sobald ihr was habt und wartet nicht, bis alles perfekt ist“. Man lernt das Laufen beim Gehen und nicht am grünen Tisch.

Samstag, 25. Oktober 2014

Size Matters: Die ideale Länge für Online-Beiträge

Werbeprofis wissen, wie lang ein Slogan sein darf, damit er funktioniert und wie viele Worte man in einem TV-Spot machen sollte. Aber wie steht es mit der Länge von Online-Beiträgen, z.B. Posts bei Facebook, Tweets bei Twitter, Blog-Beiträgen oder YouTube-Videos?

Wie lang ist im Optimum ein Tweet, ein Facebook-Post oder ein Domainname? Quelle: Adweek
Dieser Frage ist der US-amerikanische Branchendienst Adweek nachgegangen und hat dazu eine gute Infografik erstellt. Ein Facebook-Post z.B. sollte nicht mehr als vierzig Buchstaben umfassen, ein Hashtag nicht mehr als sechs. Ein Blog-Post funktioniert am Besten mit rund 1.600 Wörtern, während die Überschrift nur sechs Wörter haben sollte. Interessante Zahlen für alle, die Inhalte im Netz veröffentlichen. Thanx @adweek
Wie lang sollte ein YouTube-Video sein, wie lange ein Podcast? Quelle: Adweek



Freitag, 24. Oktober 2014

Vier im Kriegseinsatz bewährte Prinzipien für Führungskräfte

Was kann die Wirtschaft vom Militär lernen?
US-General John E. Michel gibt vier Tipps für den Umgang mit
komplexen Führungssituationen aus seiner Praxis
(Bild-Quelle: Wikipedia)
Strategie und Führung sind Themen, die in der Wirtschaft erst seit dem Zweiten Weltkrieg intensiv diskutiert und bearbeitet werden. Anders im Militär, das seit Jahrhunderten mit diesen Fragen beschäftigt ist. Daher kann die Wirtschaft Einiges von erfahrenen Militärs lernen. So gilt z.B. US-General John E. Michel als ausgewiesener Experte in Sachen Strategie, Change Management und Organisationskultur. Im HBR-Blog gibt er vier praktische Tipps aus seiner Erfahrung als General im Kriegseinsatz:

1. Eine Strategie entwickelt man nicht am grünen Tisch
Eine Strategie ist keine Symphonie, die ein Einzelner erarbeitet, dann vorstellt und ale klatschen begeistert. Eine Strategie lebt davon, von den MItarbeitern anerkannt zu sein und das kriegt man nur hin, wenn man im Strategieentwicklungsprozess die Mitarbeiter aktiv mit einbezieht.

2. Kein Job ist unwichtig
Wer seine Mitarbeiter mitziehen will, muss Vorbild sein. Und dazu zählt, dass man sich selbst nicht zu schade ist selbst für kleine, unwichtig erscheinende Jobs. "You should be prepared to eat last, own failure, and generously share triumphs."

3. Führungskräfte sind Generalisten
Ein Generalist weiß nix so ganz genau. Daher ist er abhängig von seinen Mitarbeitern. Was ein Generalist aber können muss, ist seine Organisation zu verstehen: wie sie arbeitet, wie die Funktionen ineinander greifen, wie die Rollen verteilt sind.

4. Jeder Kontakt hinterlässt eine Spur
Eine Führungskraft dient den Mitarbeitern als Orientierung. Das führt dazu, dass jeder Kontakt mit der Führungskraft - verbal wie non-verbal, formell wie informell - von den Mitarbeitern interpretiert wird. Man sollte dies berücksichtigen und aus jedem Kontaktpunkt einen Anlass schaffen, sein Team zu inspirieren und zu unterstützen. 

Samstag, 18. Oktober 2014

Was ist Journalismus?

Journalimus-Prozess: Vom ersten
Impuls zum journalistischen Produkt
Nicht jede einfache Frage, kann man einfach beantworten, man erinnere sich nur an das bekannte Henne-Ei-Problem, das uns in verschiedenen Konstellationen lebenslang begleitet. Aber es gibt auch einfache Fragen, auf die man einfache Antworten geben können sollte. Z.B. wenn man jemand nach seiner Profession fragt. Ein Arzt weiß, was Medizin ist und kann das Fachgebiet Medizin schlicht in einem Satz zusammenfassen, etwa als vorbeugen, erkennen und behandeln von Krankheiten.

Fragt man dagegen einen Journalisten danach, was Journalismus sei, erhält man erstaunlich viele und unterschiedliche Aussagen. So erging es jedenfalls mir, was ich darauf zurückführe, dass Journalisten in Deutschland oft nicht professionell ausgebildet werden (wie z.B. in den USA), sondern meist durch reines learning by doing zu Journalisten werden.

Learning by doing ist dabei natürlich nicht per se ein Problem. Wir lernen extrem viele Sachen durch das Ausführen der Aufgaben, Autofahren z.B. Aber dennoch brauchen wir eine Vorstellung, wie Verkehr funktioniert, um unser Anwendungshandeln passend zu machen. Autofahren im Sinne der Aufgabe, ein Auto fortzubewegen, ist offensichtlich unterschiedlich zu konkreten Aufgabe: Autofahren im deutschen Straßenverkehr mit vielen Schildern, Regeln und „ungeschriebenen“ Gesetzen wie Rücksicht. Den Unterschied zwischen Autofahren und Autofahren in Deutschland erlebt man schnell bei einer Reise nach Afrika oder Südostasien.

Angesprochen ist mit diesem Beispiel der Umstand, dass man natürlich journalistisch handeln kann, ohne Ausbildung und ohne theoretische Konzepte. Aber dies führt wenn überhaupt nur zufällig zu hoher journalistischer Qualität. Man kann sich auch bei einem Arzt therapeutische Maßnahmen wie einen kleinen operativen Eingriff abschauen und nachahmen. Trotzdem ist man dadurch noch kein Arzt.

Dies führt mich wieder zur Ausgangsfrage: Was ist Journalismus? Im deutschen Sprachraum erhält man dazu oft eine Antwort im Sinne von, Journalismus sei die Tätigkeit, die Journalisten ausüben. Daran schließt sich die Frage an, was ein Journalist ist und hier erhält man wiederum schnell die branchenübliche Beschreibung: ein Journalist ist jemand, der sein Geld mit Journalismus verdient. Dies ist ein durchaus bezeichnender Versuch, die Kompetenz der „Welterklärer“ zu hinterfragen. Journalismus ist das, was Journalisten machen, die diejenigen sind, die vom Journalismus leben. Medizin ist das, was diejenigen machen, die damit ihr Geld verdienen. Ohne Worte.

Dabei gibt es weltweit gesehen eigentlich einen sehr klaren Konsens über die Definition von Journalismus. Journalismus ist das Sammeln, Verarbeiten und Verbreiten von Nachrichten und Fakten für ein Publikum. 

Dies ist eine äußerst notwendige Sache für die Gesellschaft, denn ohne diese Funktion des Journalismus könnten moderne Demokratien nicht existieren. „The purpose of journalism is thus to provide citizens with the information they need to make the best possible decisions about their lives, their communities, their societies, and their governments” (Quelle: American Press Institute). Oder noch einfacher formuliert:  journalism is the craft that provides the lifeblood of a free, democratic society 
(Quelle: Robert G. Kaiser: The Bad News about the News).

Schaut man sich diese generische Definition im Einzelnen an, kann man sehr einfach und klar den journalistischen Prozess beschreiben.

Alles beginnt mit einem Impuls, der außerhalb der eigentlichen journalistischen Tätigkeit liegt. Ein solcher Impuls kann ein Ereignis sein (Unfall, Tod, Sieg, Niederlage etc.), eine Idee oder ähnliches. 

Aus diesem Impuls heraus beginnt der journalistische Prozess mit der Tätigkeit der Faktensammlung, die wir im deutschen Sprachraum als Recherche bezeichnen. Recherche meint die gezielte und strukturierte (also nicht zufällige) Suche nach Daten und Fakten. Die Recherche vergrößert damit bildlich gesprochen den Kenntnisstand des Journalisten – von einem einzelnen Aspekt hin zu einem Überblick. Die Recherche ist eine Art umgedrehter Trichter.

Auf Basis der Recherche kann die Idee zu einem journalistischen Produkt entstehen, das, was man auch Essenz, Kernaussage oder simpel die zentrale Idee der Geschichte nennen kann. Dies ist das eigentliche Herzstück des Journalismus, dessen gesellschaftliche Funktion man als das Herunterbrechen komplexer Zusammenhänge auf verständliche Kernaussagen beschreiben kann. Der Journalist übernimmt für sein Publikum die Aufgabe, sich in ein Thema einzuarbeiten (zu recherchieren), die relevanten Informationen zu filtern und zu entscheiden, wie er aus dem großen Thema eine kleine, aber spannende oder nützliche Geschichte macht.

Ist dieser rote Faden gefunden, verengt sich der Trichter im Prozess der Produktion wieder und endet in letzter Konsequenz bei der Ausgestaltung des zentralen Aufhängers: des Titels, der Überschrift und der Eröffnungssequenz. Dies ist im Einzelfall abhängig, welches journalistische Format man wählt: Nachricht oder Geschichte.

Eine Nachricht sollte üblicherweise im Nachrichtenstil erzählt werden, d.h. man beginnt mit den relevanten Fakten – den fünf W-Fragen wer, was, wann, wo und warum – und verteilt diese auf Überschrift (headline oder im Journo-Lingo der hed), Untertitel oder Dachzeile (deck oder dek) und die Einleitung (lead oder der lede). Danach bringt man in absteigender Relevanz weitere Fakten im eigentlichen Text (body) und ergänzt diese ggf. um weiterführende Hinweise (tail).

Eine Geschichte (Reportage, Dokumentation, Feature) erzählt einen Sachverhalt nach dramaturgischen Regeln und ist daher deutlich freier angelegt. Damit dennoch schnell einzuordnen ist, worum es geht, verwendet man bei Geschichten häufig einen sogenannten nut graph (bzw. in Journo-Schreibe: nutgraf), also einen Absatz (paragraph), der das Wesentliche (nutshell) der Geschichte hinsichtlich seines Nachrichtenwerts für den Nutzer darstellt.

Egal ob Nachricht oder Geschichte: Beides ist erst dann Journalismus, wenn es das Licht der Öffentlichkeit erblickt, also gelesen, gesehen oder gehört wird. Deshalb gehört zum journalistischen Prozess zentral die Verbreitung des nach journalistischen Regeln erstellten Inhalts. Nur ein Stück, das tatsächlich wahrgenommen wird, ist ein journalistisches Produkt. Ansonsten verbleibt es eine journalistische Fingerübung.

Aus diesem Grund endet der journalistische Prozess nicht bei der Veröffentlichung, sondern bei der Frage, wie Nutzer mit dem Inhalt umgehen, also ob sie ihn lesen, bewerten, kommentieren, weiterverbreiten, darüber sprechen etc. Dieses Feedback dient zugleich als wichtige Quelle für neue Impulse, die den journalistischen Prozess erneut initiieren.

Mittwoch, 27. August 2014

Meetings sind unproduktiv. Und wie man das ändern kann.

In den USA werden täglich 25 Millionen Meetings durchgeführt, schützen Management-Experten. Dabei entstehen jährliche Kosten von 37 Milliarden US-Dollar. Und das Ergebnis: Zwei Drittel aller Meetings stellen sich als sinn- und vor allem ergebnislos heraus. 

Warum Meetings so unproduktiv sind, ist einfach erklärt: Meetings sind eines der zentralen Führungswerkzeuge, mit denen ein Manager Ressourcen in Resultate überführen kann. Aber wie bei so vielen anderen Dingen auch rund um die Ausbildung von Managern wird an Hochschule nicht gelehrt, wie man Meetings als Führungsinstrument effektiv und effizient einsetzt.

Dies führt dazu, dass man schnell ein Meeting einberuft, was aber nicht mehr ist, als eine lockere Zusammenkunft, weil die zentralen Elemente nicht angewendet werden (vgl. dazu Becker, Thomas: Medienmanagement und öffentliche Kommunikation, 2014, Springer VS, S. 163ff.):

1. Kein Meeting ohne klares Ziel - SMART definiert.
2. Nur die Teilnehmer einladen, die zwingend erforderlich sind.
3. Termin finden, an dem alle (!) notwendigen Teilnehmer verfügbar sind.
4. Das Meeting-Ziel in eine Agenda überführen. Regel: Jeder Agendapunkt behandelt eine Teilaufgabe, die zur Zielerreichung notwendig ist. Jeder Agendapunkt bekommt ein Zeitbudget zur Bearbeitung.
5. Meeting effizient durchführen. Dazu gehört die vorheriger Zusendung der Agenda, die Festlegung des Meetingleiters (meeting owner) und die Einhaltung klarer Regeln: pünktlich, keine Nutzung von Telefon oder Computer und die Einhaltung der Zeitbudgets.
6. Jeden Agendapunkt in klare Maßnahmen überführen: Wer macht was bis wann,.
7. Die beschlossenen Maßnahmen in einem Ergebnisprotokoll (minutes of meeting) festhalten und kurzfristig - maximal 24 Stunden nach dem Meeting, den Teilnehmern zur Bearbeitung weiterleiten
8. Task Management: Überprüfen, dass die besprochenen Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden.

Das Ergebnis eines Meetings ist die Aufteilung einer umfassenden Aufgabe in einzelne Arbeitspakete. Diese werden im Protokoll in der Form „wer macht was bis wann“ festgehalten. Die Kosten für die Durchführung eines Meetings führen erst dann zu einem betriebswirtschaftlichen Resultat, wenn die im Meeting vorgenommene Aufteilung in konkrete Aufträge tatsächlich durchgeführt wird, d.h. konkret: ein Meeting ist ein Instrument, um Resultate zu erzeugen. Das Meeting selbst aber ist zunächst nur ein Kostenfaktor. Erst die Bearbeitung der im Meeting festgelegten Aufträge führt zu Produktivität.



The Ugly Truth About Meetings
by dianagosi.

Anzeigenerlöse der Tageszeitungen in den USA auf Niveau von 1950

Anzeigenerlöse in den USA bewegen sich heute
auf dem Niveau von 1950 (Quelle: Mark J. Perry)
Schon zwei Jahre alt ist dieser Blogbeitrag von Professor Mark J. Perry von der Universität Michigan: Unter der Überschrift Free Fall zeigt er die Entwicklung der Aneigneerlöse der Tageszeitungen in den USA auf. Von knapp 20 Milliarden US-Doller 1950 entwickelten sich die Anzeigenerlöse bis auf 63 Milliarden US-Dollar im Jahr 2000. In den folgenden zwölf Jahren aber gingen die Anzeigenerlöse dramatisch zurück und pendelten sich 2012 wieder auf dem Niveau von 1950 ein. Die ökonnomische Lehre, die man daraus ziehen kann: Der Tageszeitungsmarkt ist "another one of those huge Schumpeterian gales of creative destruction".

Dienstag, 19. August 2014

Als Rauchen noch schick war: Zigarettenwerbung von anno tobak

Zigarettenwerbung mit Testimonials aus dem Spitzensport
(Quelle: FastCoCreate)
Eine wunderschöne Sammlung alter Motive von Zigarettenwerbung in den USA. Es ist schön zu sehen, wie sehr sich die öffentliche Meinung zum Thema Rauchen in den letzten Jahrzehnten geändert hat. Machten früher Sportstars, Schauspieler und Entertainer sowie Sänger und Sängerinnen Werbung für das Rauchen, würde die Tabakindustrie diese Art von Testimonial wohl nicht mehr besetzen können.

Mittwoch, 13. August 2014

Globale Top-Seller

Chris Sibbet und Alex Hillsberg haben auf financesonline.com eine schöne plastische Infografik zusammengestellt, die einige der Top-Seller der letzten Jahrzehnte schön darstellt.

Nach wie vor eine Hausnummer für sich: Coca-Cola. 1,8 Milliarden Cokes werden jeden Tag getrunken. Die Kartoffel-Chips von Lay's gehen jährlich in einer Menge von 633.000.000 Tüten über die Ladentheke. Das ist mehr Gewicht, als ein ausgewachsener Flugzeugträger auf die Wage bringt.

Was macht man mit genügend Cola und Chips: Man ernährt sich, während man spielt. z.B. auf einer Playstation von Sony. Davon gingen bislang 244 Millionen Geräte über die Ladentheke. Und wer lieber ein Casual Game daddelt: 2 Milliarden Mal wurden die Angry Birds heruntergeladen.

Wer spielt und sich ungesund ernährt braucht zur Fortbewegung natürlich ein Auto. Das meist verkaufte Auto aller Zeiten ist der Toyota Corolla. Seit 1966 wurden bisher 40.700.000 Fahrzeuge dieses Typs gebaut.

Dann noch zwei interessante Zahlen aus dem Apple-Imperium: Seit Markteinführung gingen weltweit bislang 211 Millionen iPads und mehr als das Doppelte an iPhones an die markensüchtigen Kunden. Da wähnen die Zahlen des bestverkauften Musikalbums fast spärlich an: Jackos Thriller von 1982 bringt es auf einen Gesamtverkauf von 70 Millionen Einheiten.

Auch dazu noch einmal eine andere Zahl als Bezugsgröße: Harry Potter Bücher (allerdings alle Teile zusammengerechnet) wurden seit 1997 450 Millionen mal verkauft. Und der legendäre Zauberwürfel aus den 1980er Jahren fand bisher auch 350 Millionen zahlende Kunden.

Comparison of World's Best-selling Products: Angry Birds Is A Game With Insance Sale Figures
Quelle: http://comparisons.financesonline.com/comparison-of-10-best-selling-products-in-the-world/

Freitag, 20. Juni 2014

Die Tageszeitung ist tot. Es lebe der Journalismus.

Dass Tageszeitungen in einer Krise stecken, ist keine Neuigkeit. Aber Krisen, so die Hoffnung, gehen wieder vorbei und bieten ja immer auch Chancen. Also Augen zu und durch. Schließlich wurden auch schon das Kino, das Radio oder das Buch tot gesagt und erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Dennoch stellt sich für Studierenden in den Fächern Medienmanagement und Journalismus tatsächlich die Frage, ob eine Karriere in einer Tageszeitung eine Karriereoption darstellt. 

Erstausgabe der Neuen Zürcher Zeitung von 1780:
Die Tageszeitung ist ein altes Medium ohne Zukunft
In verschiedenen Diskussionsrunden innerhalb und außerhalb des Curriculums habe ich diese Frage mit Studierenden besprochen. Daraus ergab sich eine vierteilige Argumentation, die ich in diesem kurzem Beitrag zusammengefasst habe.

Strukturell ist die Situation für Tageszeitungen aus verschiedenen Gründen nicht mit anderen „alten Medien“ wie Büchern, Radio und Kino zu vergleichen. Man kann m.E. mit guten Argumenten begründen, dass es die Tageszeitung – also ein gedrucktes Medium mit tagesaktuellen Nachrichten – in einigen Jahren nicht mehr geben wird.

 1. Nachrichten sind öffentlich

Schauen wir uns zunächst den Inhalt einer Tageszeitung an. Er unterscheidet sich wesentlich von den Inhalten, die wir in anderen Mediengattungen kennen: Bücher, Filme, Videospiele und selbst Events wie Sportveranstaltungen oder Musikkonzerte sind Artefakte, also von Menschen gemachte Produkte mit spezifischen Eigenschaften, die das Artefakt vom „natürlichen Lauf der Dinge“ abheben. 

Nachrichten dagegen sind Ereignisse. Jedes Ereignis kann zu einer Nachricht werden, wenn das Ereignis öffentlich thematisiert wird. Nachrichten sind im Unterschied zu Artefakten nicht darauf angelegt, selbst als Produkt wahrgenommen zu werden und dadurch einen eigenen Wert zu entwickeln. Dies führt dazu, dass eine Nachricht – wenn überhaupt – nur temporär exklusiv sein kann. Sobald ein Ereignis als Nachricht behandelt wird, ist die Information über dieses Ereignis quasi ein öffentliches Gut.

In diesem Kontext darf es einen nicht wundern, dass es selbst Europas führende Tageszeitung – die BILD – nicht schafft, die Nutzer der digitalen Angebote mit „exklusiven“ Nachrichten an ein kostenpflichtiges Premiumprodukt zu binden, sondern für die Vermarktung der BILD-Plus Angebote eigens für einen nicht näher bezifferten Betrag Übertragungsrechte an der Bundesliga einkaufen musste. Artefakte sind ökonomisch attraktiv, weil ihr Zugang limitiert ist. Nachrichten sind ökonomisch unattraktiv, weil sie per definitionem öffentlich sind. 

2. What business are we really in?

Wenn die Nachrichten selbst nicht das Produkt sind, stellt sich die Frage: Was verkauft eine Tageszeitung eigentlich? Schauen wir uns die Wertschöpfungskette einer Tageszeitung an, können wir grob vier Bereiche unterscheiden, die ein Verlag bearbeiten muss, um eine Tageszeitung zu produzieren: Man braucht die Inhalte (die in der Regel von außen durch Agenturen, PR-Mitteilungen bzw. Einladungen zu Presseterminen etc. angeliefert werden und dann durch einen Autor – news gatherer – in Form gebracht werden). Man muss die Inhalte arrangieren also festlegen, welche Inhalte in welcher Form und mit welcher Priorität veröffentlicht werden (was der Redakteur als news processor übernimmt). Man muss das entsprechend arrangierte „Masterprodukt“ vervielfältigen. Und man muss die vervielfältigten Exemplare verteilen.

Die generische Wertschöpfungskette von Medienunternehmen im Nachrichtengeschäft
Druck und Verbreitung der Tageszeitung sind sicherlich Aktivitäten, die tatsächlich Zahlungsbereitschaft bei Lesern erzeugen. Wenn man gewöhnt ist, zum Frühstück Zeitung zu lesen, will man eine Zeitung haben, unabhängig von ihrem konkreten Inhalt. Wenn man gewöhnt ist, im Zug eine Zeitung zu lesen, will man eine Zeitung haben – egal was drin steht. Ist das Zeitunglesen derart habitualisiert, ist der Akt des Zeitungslesens wichtig und nicht eine wie auch immer geartete inhaltliche Dimension (gerne auch zur redaktionellen Kompetenz und verlegerischen Leitlinie des Anbieters euphemisiert). Aus dieser Perspektive kann man einfach nachvollziehen, warum Kostensenkung und Gewinnabschöpfung naheliegende Strategieoptionen für Verlagshäuser sind.

Doch alle Beteiligten müssen sich bewusst sein, dass Habitualisierung nur so lange als Verkaufsargument trägt, wie es genügend Menschen gibt, die dieses Verhalten teilen. So wie im Fernsehen die Strukturierung des Tages durch den Programmablauf mehr und mehr wegfällt, weil Zuschauer Inhalte nach Bedarf, so ändern sich auch die Rituale beim Frühstück, wie man in Hotels beobachten kann. Frühstücksfernsehen und noch mehr mobile Computer – Smartphone, Phablet oder Tablet – lösen hier die Tageszeitung ab. Ähnliches kennen wir von gedruckten Telefonbüchern, deren Relevanz sich zügig gegen Null nähert. Massive Nutzung von nicht gelisteten Mobilfunknummern, das Adressbuch im Telefon und die Internetrecherche haben die Habitualisierung des Blicks in die Gelben Seiten überflüssig gemacht, daran ändern auch die nach wie vor hohen Druckauflagen der Verzeichnismedien nichts.

Meine These: Derzeit trägt die Habitualisierung die noch möglichen Auflagenzahlen, weil es genügend Menschen gibt, die gerne blättern, die sich hinter der Zeitung verstecken oder für die das Zeitunglesen ein lieb gewordenes Ritual ist. Dass jemand sich bewusst aus inhaltlichen Gründen für eine Tageszeitung entscheidet, weil er hier Informationen vom Vortag bekommt, erscheint dagegen wenig plausibel.

Wie also kann eine Tageszeitung heute die Gretchenfrage im Marketing beantworten, nämlich das von Theodore Levitt in seinem wegweisenden Artikel „Marketing Myopia“ aufgeworfene Problem zu bestimmen, in welchem Geschäft man eigentlich unterwegs ist: Die Kunden zahlen heute für eine Tageszeitung, weil sie es gewohnt sind, eine Tageszeitung in den Händen zu halten. Dies ist ein sehr starker Nutzen für die Menschen, die das Lesen einer Tageszeitung fest in ihren Tagesablauf integriert haben. Dies ist ein sehr schwacher Nutzen, um neue Kunden zu gewinnen.

Was passieren kann, wenn der Datenträger bzw. die technologische Infrastruktur, um Inhalte zu transportieren, das einzige Nutzenargument ist, sieht man gut an historischen Beispielen: Von der Nutzung von Steintafeln als Textmedium, der Musikkassette als Audiomedium oder dem VHS-Band als Videomedium.
 

3. Der Umgang mit Komplexität: Kanonisierung vs Selbstorganisation

Schauen wir nun auf den vierten Block der Wertschöpfungskette, das Arrangement verschiedener Nachrichten zu einem Produkt. Die dargelegte Ausgangsüberlegung noch einmal zusammengefasst: Eine Nachricht ist ein öffentlich behandeltes Ereignis und hat als solches keinen eigenen Wert, sondern erhält diesen Wert nur in der öffentlichen Behandlung – also in der Nutzung der Nachricht als Thema für Anschlusskommunikation z.B. in einem Gespräch oder in einer Replik. Dann entsteht der Wert für den Kunden beim Erwerb einer Tageszeitung im Kern ausschließlich durch die Auswahl, Bewertung (Priorisierung) und Präsentation der Nachrichten. Die Redaktion wählt für den Leser aus, was heute (bzw. eigentlich gestern!) relevant war und gewichtet diese Themen untereinander.

Diese Aufgabe hat durchaus eine Berechtigung, dient sie doch als Filter und lenkt den Blick auf das Wesentliche. Allerdings scheint diese Filterfunktion signifikant an Bedeutung zu verlieren, weil sich die Bedeutung „des Wesentlichen“ ändert. Wesentlich ist für uns das, über das wir mit anderen sprechen können und wollen. Hier spielt sich der entscheidende Wechsel ab und zwar in der Spannung zwischen Inhalt und Infrastruktur.

Infrastruktur und Inhaltsproduktion liegen
bei der Tageszeitung in einer Hand:
(Bild by Daniel R. Blume from Orange County, California, USA
(A stack of newspapers) [CC-BY-SA-2.0
(http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)],
via Wikimedia Commons

Im 20. Jahrhundert waren Infrastruktur (als z.B. die Nutzung einer Rundfunkfrequenz oder der Betrieb einer Druckerpresse) und Inhalt (die Themen) in einer Hand. Wer Zugriff auf die (limitierte) Infrastruktur hatte, kontrollierte zugleich die Themen, die über die Infrastruktur verbreitet wurden. In der Netzwerkökonomie des 21. Jahrhunderts trennen sich Infrastruktur und Inhalte immer weiter auf. Ereignisse können im Prinzip von jedermann öffentlich zu Nachrichten gemacht werden und finden Eingang in dieselbe leistungsfähige Infrastruktur, wie sie die Nachrichten der professionellen Nachrichtenunternehmen nutzen.

Das führt neben vielen anderen, vielfach beschriebenen Phänomenen auch dazu, dass sich der Umgang mit Komplexität ändert. Eigentlich müsste man unterstellen, dass der Bedarf für Filtersysteme mit der Steigerung des Angebots an Inhalten steigt. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall: Je mehr Angebot es gibt, desto schwächer werden die Filtersystem und umso weniger werden sie genutzt.

Als es nur drei Fernsehprogramme gab, wurden Fernsehzeitschriften – die Auflistung des täglichen Programms – groß. Je mehr Programme, desto unübersichtlicher das Listing. Heute empfangen die meisten Haushalte ihr Programm digital und erhalten dabei Zugriff auf eine dreistellige Anzahl von Sendern, plus weiterer VOD-Angebote, Pay-TV etc. Die Folge: TV-Zeitschriften sind wenig hilfreich und immer mehr Zuschauer verlassen sich auf zwei simple Alternative: Zapping und einen On-Screen-EPG, der Informationen zu „now playing“ und „next“ vorhält (entweder im TV oder als Second Screen auf dem Smartphone oder Tablet).

Ein anderes Beispiel: Bei der ersten Verbreitungsphase des World Wide Web in den 1990er Jahren wurden zur Orientierung über das wachsende Angebot Katalogsysteme wie Yahoo groß. Das Web in Rubriken einzuteilen, galt als der große Wurf, Suchmaschinen wie Altavista dagegen spielten sich eher in der Tekkie-Nische ab. Doch je größer das Angebot, umso weniger leistungsfähig die Kataloge. Das war der Start für eine neue Methode, das Web zu nutzen: Man begann zu googlen.

Zapping, Now-Playing Informationen und Googling unterscheiden sich offensichtlich voneinander, sind vom Muster her aber sehr ähnlich: Je mehr Angebot, desto weniger Struktur ist nötig, weil man davon ausgeht, dass die wirklich wichtigen Nachrichten einen ohnehin erreichen. Wie kommt man zu dieser Unterstellung: Weil die Nachrichten Themen der Kommunikation unter Kollegen, in der Familie, zwischen Freunden, im Small Talk mit Zufallsbekanntschaften etc. sind. Je größer das Angebot an Nachrichten, desto unwichtiger ist es, einen festen, quasi amtlichen Kanon an Nachrichten des Tages zu haben.

Dies öffnet direkt die nächste Perspektive: Wie bewertet der Einzelne den Stellenwert einer Nachricht? Durch den Grad der persönlichen Betroffenheit. Dieser unterscheidet sich zwischen den Menschen sehr stark. Wenn es einen Trauerfall in der eigenen Familie gibt, ist man selbst sehr betroffen, die meisten anderen Einwohner Deutschlands aber nicht. Wenn das Unternehmen, für das man arbeitet, insolvent wird, ist man sehr betroffen, die meisten anderen aber nicht. Wenn im Ort, in dem man wohnt, eine schwere Infektionskrankheit umgeht, ist man sehr betroffen, der Rest der Menschheit weniger.

Wie können wir persönliche Betroffenheit messbar oder zumindest transparent machen? Eine Möglichkeit ist es, die Themen zu analysieren, über die Menschen sprechen und das kann man sehr gut in sozialen Netzwerken verfolgen. Es sind ungleich mehr Menschen persönlich vom Schicksal einer kleinen Katze in einem engen Glasbehälter betroffen, als von Entscheidungen des Europarats, die Milliarden kosten und mit einem Federstrich die Weichen für die nächste Generation stellen. Persönliche Betroffenheit äußert sich in der Intensität, mit der man über Nachrichtenthemen mit anderen Menschen kommuniziert.
Wir haben es also mit zwei Phänomenen zu tun, die das über rund hundert Jahre verbreitete Modell der Nachrichtenkanonisierung aushebelt:
  • Der geänderte Umgang mit einer gestiegenen Angebotslage: Man lässt sich Informationen nicht filtern, sondern setzt sich den Informationsreizen aus und selektiert sekundenschnell, was für einen persönlich jetzt in der Situation interessant ist.
  • Die persönliche Bewertung der Relevanz einer Nachricht wird selbst Bestandteil der Nachricht und dient als Indikation für andere.
Beide Aspekte stehen im kompletten Widerspruch zum Anspruch der Tageszeitung, für ihre Leser die Ereignisse der Welt zu filtern und zu gewichten. Die Tageszeitung verliert aufgrund geänderter Umweltbedingungen das Kernelement ihrer Wertschöpfung. Die Funktion, die Komplexität der Umwelt durch einen Auswahlprozess zu reduzieren, steht im Wiederspruch zu einer zentralen Komponente gesellschaftlicher Entwicklung: dass nämlich Selbstorganisation erfolgreicher im Umgang mit Komplexität ist, als jegliche Organisation von außen.

Dieses Argument steht im engen Kontext zu dem als wisdom of crowds bezeichneten Effekt, dass bei relevanten Entscheidungen über eine unsichere Situation der gemittelte Durchschnitt vieler Einzelurteile zu einem leistungsfähigeren Ergebnis führt als das einzelne Urteil eines Experten. Die Masse ist nicht schlauer als der ausgebildete Redakteur was das einzelne Thema angeht. Die Masse ist aber definitiv schlauer als die geballte Redaktionskompetenz aller Tageszeitungen zusammen was das zentrale Thema angeht, nämlich welche Nachrichten sich eignen, um darüber zu sprechen und dadurch ein beliebiges Ereignis zu einem öffentlich besprochenen Ereignis – einer Nachricht – zu machen. 

4. Das Geschäftsmodell der Tageszeitung

Richten wir schließlich den Blick auf die Erlössituation. Ursprünglich war das Geschäftsmodell der Tageszeitung auf den Verkauf des Produkts ausgelegt. Der Vertrieb der Tageszeitung erlöste das Geld, um Profitwunsch der Verleger und Kosten der Produktion zu decken. Je mehr die Tageszeitung ab dem späten 19. Jahrhundert zu einem Massenprodukt wurde, desto attraktiver wurde es für Unternehmen (und auch Privatleute), in Tageszeitungen zu annoncieren. Neben die Vertriebserlöse (die die Tageszeitung bereits finanzierten) traten quasi als windfall profits die Werbeerlöse. Es begann die goldene Ära der Verlage.

Lange galt in Deutschland für Zeitungsmanager die grobe Rechnung: Ein Drittel der Erlöse kommen aus dem Verkauf, zwei Drittel aus der Werbung. Vom so erzielten Umsatz blieb üblicherweise ein zweistelliger Satz– zwischen 15% und 25% sind branchenüblich – als Gewinn im Verlag.

Die Vertriebserlöse sinken parallel zu den fallenden Auflagen der Tageszeitungen, die sich seit dem Höhepunkt 1989 (BRD und DDR zusammen) von 27,3 Millionen Tagesauflage um fast 40% reduziert haben. Schlimmer aber wiegt, dass die Werbeerlöse massiv wegbrechen und sich mittlerweile vielfach von der früheren 2:1-Relation auf ein Fifty-Fifty eingependelt haben und das dürfte mitnichten das Ende der Fahnenstange sein, denn immer noch – so meine These – sind gedruckte Werbeträger deutlich überteuert.

Dazu eine ganz einfache, praktische Rechnung: Schauen wir uns die tägliche Nutzungszeit von Zeitungen an, liegen wir 2013 bei einem durchschnittlichen Wert von 23 Minuten. Elektronische Medien werde deutlich mehr genutzt: Fernsehen gute vier Stunden, Radio 191 Minuten und das Internet 108 Minuten. In anderen Worten: Zeitungen haben einen Anteil am Zeitbudget der Mediennutzung von rund 4%.

Auf der Erlösseite ist dieses Bild auf den Kopf gestellt. Tageszeitungen (inkl. Anzeigenblätter, Wochenzeitungen und Supplements) haben 2013 in Deutschland laut ZAW Nettowerbeeinnahmen von 5,116 Milliarden Euro erlöst und liegen damit nach wie vor an der Spitze der Werbeträger. Sie erzielen über 38% am gesamten Werbekuchen. Und selbst wenn man wirklich nur die ausgewiesenen Tageszeitungen (also ohne Wochenzeitungen und Anzeigenblätter) nimmt, liegt der Umsatzanteil im Werbemarkt in den klassischen Werbeträgern bei 26,45%.

Dieses Verhältnis – 4% der Aufmerksamkeit und weit über 25% der Erlöse – lässt sich faktisch nur mit der Exklusivität der Tageszeitung in der Region erklären. Und der löst sich im Internet durch lokale Suchen und location based services auf. Dass die Tageszeitung heute noch lebt, verdankt sie alleine der Latenz ihrer regionalen Kunden und – bei den wenigen überregionalen Titeln – dem obsoleten Argument, man würde die Tageszeitung deutlich intensiver nutzen als andere Werbeträger und daher hier eine höhere Wirkung erzielen.

Das Umsatz-Zeit-Verhältnis (UZV) gibt an, wie teuer ein Werbeträge ist. Tageszeitungen sind rund zehn Mal teurer,
als der Wert der Aufmerksamkeitsleistung die sie für die Werbekunden erbringen.
Das Umsatz-Zeit-Verhältnis (realisierter Umsatz in Relation zur erreichten Aufmerksamkeit) liegt bei der Tageszeitung bei knapp 10, bei Zeitschriften sogar noch höher. Der Markt bewertet die Zeitung als Werbeträger also zehn Mal so hoch als das Fernsehen oder das Internet. Rational gesehen müsste eine Zeitungsanzeige also einen zehn Mal höheren Ergebnisbeitrag liefern als eine Internetanzeige, wenn identische Budgets eingesetzt werden. Das tut sie natürlich nicht (man könnte mit guten Argumenten sogar erläutern, warum eine Zeitungsanzeige immer schlechtere Ergebnisse liefern müsste als eine Suchmaschinenkampagne oder der Eintrag in spezialisierten Verticals).

Man kann ohne großen Pessimismus erwarten, dass sich die Werbeerlöse der Tageszeitungen in den nächsten Jahren weiter drastisch reduzieren werden. Dies führt mit planbarer Konsequenz zu Kostensenkungen, die im Wesentlichen auf Seiten der Redaktionen erbracht werden müssen, weil Produktion und Distribution auf Stückkostenbasis bei sinkenden Auflagen eher steigen werden. Das führt zu einer reduzierten Qualität des Produkts, was wiederum den Rückgang der Auflagen beschleunigt. Ein klassisches Beispiel für einen vicious circle: einen positiven Feedback-Prozess mit negativen Folgen.

Alle vier Bereiche – die Natur der Nachricht als öffentliches Gut, die Nutzungsmotivation der Kunden auf Basis von Habitualisierung, der Umgang mit gestiegener Komplexität und der dadurch entstehende Bedarf neuer Organisationsformen und das Erlösmodell der Tageszeitung – legen nahe, dass die Tageszeitung tatsächlich vom Markt verschwinden wird – so wie die Musikkassette, die Fotografie auf Filmrolle, das VHS-Videoband oder die Wochenschau im Kino. Tageszeitungen sind anders als Bücher und selbst Zeitschriften, die sich über Autorenschaft (Artefakte) abgrenzen. Tageszeitungen sind Träger aktueller Nachrichten. Tageszeitungen sind heute aber nicht mehr aktuell und sie sind hinsichtlich der Menge von Nachrichten limitiert. Bücher, auch Zeitschriften, wird es wohl wie Vinyl-Schallplatten und Brettspiele auch in vielen Jahren noch geben. Tageszeitungen sicherlich nicht mehr.

5. The Dawn of a New Era of Journaslism

Damit – ein letzter Satz – ist natürlich nicht gemeint, dass es keinen Bedarf mehr an aktuellen Nachrichten und damit an Journalismus gäbe. Dieser Bedarf dürfte aus oben genannten Gründen sogar deutlich steigen. Doch der Journalismus muss sich hinsichtlich seiner ökonomischen Bedingungen neu erfinden. Und so wie sich die Verlage bisher im Web 1.0 (Verlust der lukrativen Rubrikenmärkte) und Web 2.0 (Verlust der lokalen Alleinstellung durch aktive Einbindung der Leser und Personalisierung) verhalten haben, liegt es nahe, dass diese Schumpetersche Zerstörung der Tageszeitung nicht durch die Tageszeitungsverlage vorangetrieben wird. Wir werden uns in den nächsten Jahren sicherlich von vielen großen Namen der Verlagsbranche verabschieden können.

Wer werden die Gewinner dieser Entwicklung sein? Wie lassen sich neue journalistische Geschäftsmodelle entwickeln? Wie kann man mit Nachrichten auch in Zukunft Geld verdienen? Das sind Fragen, die man – da sie sich auf die Zukunft beziehen – nicht mit Sicherheit oder zumindest einiger Prognosevalidität beantworten kann. Eines jedoch ist klar: Die ökonomischen Herausforderungen lassen sich durch verschärfte Regulierung – Stichtwort: Leistungsschutzrecht für Presseverleger – definitiv weder lösen noch heraus zögern, sondern beschleunigen eher die Abwärtsspirale.

Das Ende der Tageszeitung ist bedauerlich für die Jobs, die dadurch verloren gehen. Das Ende der Tageszeitung ist aber nicht das Ende des Journalismus und schon gar nicht der Untergang des Abendlandes, wie es eifrige Verleger im Berliner und Brüsseler Lobbybetrieb gerne darstellen. Das Ende der Tageszeitung wird wahrscheinlich eher der Beginn einer neuen Ära des Journalismus markieren, der sich besser – in allen Dimensionen dieses Wortes verstanden– auf die Erfordernisse der Zeit einstellt. Die Tageszeitung ist tot, es lebe der Journalismus.