Donnerstag, 31. Oktober 2013

Samsung überholt Apple auch bei Marken Sympathie

Ende Oktober wurde die ACTA 2013 vorgestellt. Ausgewählte Ergebnisse wurden bei der Präsentation separat vorgestellt. Neben den üblichen Erkenntnissen - vielleicht ist doch jemand mal irgendwann bereit irgendwas für Inhalte im Internet zu zahlen, Tablets boomen, Smartphones auch ... - fand ich insbesondere eine Slide interessant:
Markensympathie: Apple und Samsung, Quelle: IfD Allensbach
Das deckt sich mit meinen punktuellen Erfahrungen mit jungen Erwachsenen an der Hochschule. Die finden Apple richtig uncool, weil das das "Papa-Handy" ist - so wie man früher als Jugendlicher Mercedes uncool fand, weil der langweilige Banker von nebenan so ein Auto fuhr. Samsung ist derzeit das Google in Sachen in Hardware: auf allen relevanten Positionen sehr gut vertreten und wahrscheinlich für die nächsten zehn Jahre der Dominator der von ihnen bearbeiteten Märkte.

Freitag, 25. Oktober 2013

Tipps für Storytellers: Texte verbessern

Sara Dickinson lehrt am Poynter Institute, eine der führenden Hochschulen für Journalisten und Führungskräfte der Verlagsbranche. Auf Basis der Arbeiten von Roy Peter Clark hat sie die nachfolgende Grafik zusammengestellt mit praktischen Tipps für Geschichten, die gelesen werden.

Interessant ist vor allem der Punkt, den Unterschied zwischen Storytelling und News Reporting klar zu benennen. Kommunikationsprofis und Medienmanager müssen in der Lage sein, verschiedene Stile zu beherrschen. Im faktenorientierten Nachrichtenstil, der sehr dem wissenschaftlichen Arbeiten ähnelt, fühlen sich viele zu Hause. Man sollte aber ebenso in der Lage sein, einen anderen Modus zu wählen.

Während es beim Nachrichtenstil darum geht, Informationen bereitzustellen, basiert Storytelling darauf, den Leser mitzunehmen: "The report points us there. The story puts us there".

Storytelling im Überblick (Quelle: Poynter)

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Payment: Telkos die neuen Banken?

Wie bezahlen Kunden in Zukunft? Die Antwort ist einfach: das weiß niemand, so ist das nun mal mit Fragen über die Zukunft. Was aber definitiv ein guter Ansatz ist, sich aus strategischer Sicht dem Thema zu nähern, ist die untenstehende Infografik, die einen Zusammenhang zwischen der Anzahl von Girokonten weltweit und Mobilfunkverträgen zieht.

Die einfache Aussage: Es gibt ungefähr doppelt soviel Mobilfunkverträge wie Girokonten. Warum sollte man dann nicht einfach mit dem Guthaben seiner Prepaid-Karte bezahlen bzw. wenn man einen klassischen Vertrag hat: Kosten, die z.B. im Restaurant oder im Supermarkt entstehen einfach auf der nächsten Telefonrechnung abrechnen lassen. Wer braucht in solch einem Szenario noch Kreditkarten, die quasi nichts anderes machen?

Die implizite Unterstellung untenstehender Grafik: die Telkos haben wenigstens theoretisch das Zeug, die leistungsfähigsten Zahlungsanbieter zu werden. Natürlich ist dafür sicherlich noch einiges an Herausforderungen zu bewältigen. Bevor man über alternative Zahlungsverfahren nachdenkt, die sich z.B. eine einzelne Handelsorganisation ausdenkt oder die fest an eine speziellen Geräteklasse gekoppelt ist oder die ausschließlich mit einem Belastungskonto verbunden funktioniert, lohnt es, durchzuspielen, ob Vodafone & Co. vielleicht um 2020 Unternehmen wie die Commerzbank übernehmen - nur um sich ein bisschen zusätzliches Kno-how einzukaufen.

 Direct Carrier Billing [Infographic]

Montag, 14. Oktober 2013

Digitalisierung: Was erwartet uns 2020?

Technologie-Zyklen prägen die wirtschaftliche Entwicklung. Man kann Technologiezyklen über verschiedene Zeiträume entwickeln. In der Digitalisierung der Medien setzt man retrospektiv üblicherweise auf Jahrzehnte als Betrachtungszeitraum.

Microsoft dominierte die 1990er Jahre mit Software, die die Büros digitalisierte. Das erste Jahrzehnt im 21. Jahrhundert wird durch die Verbreitung von Internet-Technologie geprägt (hier gemeint als Einrichtung und Ausbau der Netzwerke durch Player wie Cisco, Nokia, Comcast etc.). Derzeit dominiert der mit Apple verbundene Ansatz der Endgeräte als Treiber für die Entwicklung.

Was kommt als nächstes, fragt Greg Satell von der Digital Toronto in seinem lesenswerten Artikel What can we expect from the next decade of technology? Man vermutet: Das Internet der Dinge, die komplette Vernetzung aller Lebensbereiche durch Sensorik. „Technology will cease to be something we turn on and off, but will become an inextricable part of not only our environment, but ourselves“.

Was vielleicht ab 2020 zu einem Massenphänomen werden wird, ist natürlich heute schon in Ansätzen und Technologien verfügbar. Es sind letztlich vier Gesetze der Digitalisierung, die aus dieser Saat ein Massenphänomen machen werden:


  • Moore’s Law: Die Leistungsfähigkeit von Computerchips verdoppelt sich etwa alle 18 Monate. Dadurch wird Rechenleistung billiger und ebnet komplexen Anwendungen den Zugang zum Massenmarkt.
  • Kryder’s Law: Die Kapazität von Speichermedien verdoppelt sich alle zwölf Monate. Damit wird die Größe von Daten zunehmend unwichtig und die Kosten für das Vorhalten großer Datenmengen verlieren an Bedeutung.
  • Nielsen’s Law: Die Bandbreiten in den Netzwerken verdoppeln sich alle 21 Monate. Damit wird mehr und schnellerer Datenverkehr möglich.
  • Caveman Law: Michio Kaku stellate fest: Immer wenn es einen Konflikt zwischen moderner Technologie und grundlegenden Bedürfnissen, wie sie schon die Höhlenbewohner hatten, gibt, dann gewinnen die primitiven Bedürfnisse. Das schließt Satell: „Our devices will become not only vastly more powerful, but also more natural and eventually disappear altogether. Effective computing will become less dependent on expertise and more a function of desire“.

Greg Satell führt die Überlegungen weiter und skizziert die Umrisse eines neuen Paradigmas der Digitalisierung. Am Beispiel des 3D-Drucks zeigt er auf, dass der Informationsgehalt von Produkten (die Konstruktion des Artefakts) viel wesentlicher ist als der phyische Körper des Produkts. Das, was man als Open Source Software kennt, wird im Umfeld von Produkten zu Open Hardware führen. Nicht mehr die kapitalintensiven Produktionsstätten entscheiden über den Erfolg von Ideen, sondern Ideen können einfach und kostengünstig per additivem Druckverfahren quasi überall hergestellt oder zumindest als Prototyp umgesetzt werden.

Die Technologiemärkte der letzten zwanzig Jahre wurden von Tekkies und Startups dominiert. Man entwickelte etwas in der Garage und konnte damit die Welt erobern. Satell glaubt, dass diese Zeit vorüber ist: „That’s changing as devices and applications are becoming secondary to platforms“.

Satells geht vielmehr davon aus, dass sich die Technologiemärkte in Zukunft stärker an der Pharmabranche orientieren werden. Milliardenschwere und langfristige Entwicklungen werden nötig, um neue Impulse und disruptive Veränderungen auszulösen. 

Genauso wichtig wie das aktuelle Produkt-Portfolio werde die Produkt-Pipeline, die Auskunft darüber gibt, ob Technologieunternehmen Potenzial haben. „Whereas previous tech waves transformed business and communication, the next phase will be marked by technology so pervasive and important, we’ll scarcely know it’s there“.

Dienstag, 8. Oktober 2013

Medienmanagement, ein Lehrbuch

Medienmanagement, ein Lehrbuch. Das war das Ergebnis eines Gesprächs im Juli 2012 mit dem Springer VS Verlag. Man wollte ein Lehrbuch zum Thema Medienmanagement und ich brauchte ebenfalls eines, denn ich wollte eine fundierte Basis, auf der ich meine Lehrtätigkeit als Professor für Medienmanagement aufbauen kann.

Jetzt, 15 Monate später, ist das Manuskript fertiggestellt. Die Statistikfunktion der Textverarbeitung bringt das Ergebnis quantitativ auf den Punkt:
  • 358 Seiten
  • 138.528 Wörter
  • 923.284 Zeichen ohne Leerzeichen
  • 4.239 Absätze
  • 1.231 Stichwörter im Index
  • 92 Abbildungen
  • 16 Tabellen

Wie viel Kaffee für die Erstellung benötigt wurde, hat die Textverarbeitung allerdings nicht festgehalten.

Inhaltlich habe ich das Medienmanagement-Lehrbuch in drei große Teile gegliedert. Es geht zunächst um Medienmanagement als Instrument im Marketing-Mix, was man auch unter dem Begriff der externen Unternehmenskommunikation verhandelt. Medienmanagement in diesem Zusammenhang heißt: Einsatz von Medien, um Markt und Öffentlichkeit zu beeinflussen und damit im Ergebnis Vorteile im Wettbewerb zu erzielen und besser zu verkaufen.

Hier baue ich auf dem Modell strategischer Unternehmenskommunikation auf, das für das Marketing-Instrument Kommunikation vier Handlungsfelder beschreibt: Werbung, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, Direktansprache, um Kundenbeziehungen zu festigen, Public Relations, um Einverständnis für die unternehmerische Leistungserbringung zu erreichen, und Societal Relations, um Unterstützung relevanter gesellschaftlicher Gruppen sicherzustellen.

Im zweiten Teil wird Medienmanagement als Führungsaufgabe im Unternehmen beschrieben. Führungskräfte in Unternehmen aller Branchen müssen tagtäglich Medien einsetzen, um Resultate zu erzielen. Kommunikation ist  das wichtigste und wirksamste Instrument, das ein Manager einsetzen kann, um im Unternehmen zusammen mit den Mitarbeitern den Einsatz von Ressourcen so umzusetzen, dass das Unternehmen dauerhaft profitabel arbeitet.

Für die Nutzung von Medienmanagement als Führungsaufgabe entwerfe ich ein Modell der internen Unternehmenskommunikation, das sich in vier verschiedenen Dimensionen mit jeweils drei unterschiedlichen Ebenen gliedert: Die Aufgaben von Medienmanagement sind Delegation in Bezug auf Hierarchie, Adaption in Bezug auf Kooperation, Redundanz in Bezug auf Umweltstabilität und Emergenz in Bezug auf Umweltflexibilität. Die Ausgestaltung erfolgt dabei entweder auf Ebene der Interaktion als formelle Kommunikation, auf Ebene der Organisation als formalisierte Kommunikation oder auf Ebene der Funktion als formale Kommunikation. In der so entstehenden Zwölf-Felder-Matrix werden jeweils typisch einzelne Kommunikationsinstrumente vorgestellt, z.B. Meetings, Projektkommunikation, Verhandlungsführung, Corporate Identity und Design Thinking.

Der dritte Teil des Medienmanagement-Lehrbuchs schließlich beschäftigt sich mit dem Spielfeld, auf dem der Medienmanager tätig ist: der Öffentlichkeit. Hier wird zunächst skizziert, was Kommunikation ist und wie Medien Kommunikation unterstützen. Dann geht es um klassische Arbeitsfelder der Medien- und Kommunikationswissenschaft: Wirkungstheorien, Thematisierung, Nachrichtenfaktoren, das Berufsfeld des Journalismus und schließlich auch um Fragen, welchen Einfluss Medien auf Macht, unseren Begriff von Realität und als ökologische Umweltbedingung der Menschheit haben.

Derzeit lektoriert Springer VS das Manuskript für die Veröffentlichung im ersten Quartal 2014. Bis dahin werde ich die Zeit nutzen und einige Aspekte aus dem Lehrbuch Medienmanagement aufgreifen und herausgelöst hier im DocBlock vorstellen und erörtern.





Apropos: Das Lehrbuch Medienmanagement wird offiziell folgenden Titel tragen: Medienmanagement und öffentliche Kommunikation. Der Einsatz von Medien in Unternehmensführung und Marketing.

Montag, 7. Oktober 2013

Nachrichten-Apps: Flop mit Ansage

BILD und Welt für iPad – eine Erfolgsstory? Wenn man Springer-Manager hört, wohl schon. Doch man kann berechtigte Zweifel haben, inwieweit Nachrichten sich für die redaktionelle Zusammenstellung unter einer Verlagsmarke eignen.

Solche Zweifel gut begründet hat jetzt Jon Lund in einem Beitrag auf GigaOM. Unter Bezugnahme auf aktuelle Daten der Marktforschung geht man für den US-Markt davon aus, dass im Durchschnitt 41 Apps pro Gerät installiert sind, aber nur 8 davon täglich genutzt werden. Wie hoch ist nun die Wahrscheinlichkeit, dass es eine Nachrichten-App zu dieser Riege der Power-Apps schafft? Wahrscheinlich gering, denn Nachrichten kommen ohnehin über Facebook, Tumblr, YouTube, Twitter und ähnliche aufs Gerät. Eine eigenständige Nachrichten-App, die regelmäßig genutzt würde, müsste also schon mit jeder Menge zielgruppennahen exklusiven Informationen punkten.

Aktuelle Zahlen untermauern diese Einschätzung. Obwohl mittlerweile mehr Tablets verkauft werden als Laptops, schafft es kaum eine renommierte Medienmarkt zu einer Erfolgsstory. Apple allein verkauft pro Quartal 15-20 Mio. iPads. Es gibt also sehr viele „Akzeptanzstellen“ draußen in der Welt. Bei den meisten Medienmarken liefert die digitale Ausgabe allerdings nur einen einstelligen Prozentanteil an der gesamten Verbreitung.

Die App-Nutzer sind zudem oft keine digitalen Neukunden, sondern kommen von der alten Printwelt und wechseln jetzt – meist zu günstigeren Konditionen – die Darreichungsform. Echte neue Leser – also vor allem die jüngeren, die Zeitungen nur noch von ihren Großeltern kennen – werden über die Apps nicht gewonnen. Und im Vergleich zu den Lesern im „freien“ Web, sind die App-Verkäufe äußerst sparsam. Dazu bringt Jon Lund ein schönes Beispiel: „Wired, for instance, launched its tablet edition in May 2010. The total number of paid subscriptions reached 850,000 by the end of 2012 — but only 102,000 of those are coming from digital. Both numbers fade against the number of monthly unique users to Wired’s website: nearly 20 million”.

In diesem Kontext weise ich auch auf meinen Beitrag zu den App Times im Mobile Publishing hin, wo ich zu ähnlichen Aussagen gekommen bin. Der Wert von Nachrichten sinkt mit ihrer Verfügbarkeit. Je geringer der Wert von Nachrichten, desto geringer die Zahlungsbereitschaft. Der Weg der Nachrichtenbranche kann also ausschließlich in Richtung Reichweitenvermarktung gehen. Adieu Vertriebserlöse...